Donnerstag, Juli 19, 2018
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Theo Lawrence & the Hearts (Rock/Soul) – „Homemade Lemonade“ am 27. April

Wir schreiben das 21. Jahrhundert; irgendwo in den Banlieues, den nicht ganz so vornehmen Vororten von Paris. Ein Kind versucht sich erst am Klavier, dann an der Gitarre. Autodidaktisch und hoch motiviert, unterstützt von aufgeschlossenen Eltern mit einer ziemlich gut ausgestatteten Plattensammlung. Alle Scheiben, die man unbedingt gehört haben muss und mit einer entspannten Einstellung, ohne ihn jemals zu irgendetwas zu zwingen. Mit 8 Jahren ist er komplett von den White Stripes und ihrem „Elephant“ besessen. Ein Album wie eine Offenbarung, das ihm den Pfad zu unstet-gehetzten Gitarren und der befreienden Macht der Elektrizität jenseits all dessen zeigt, was er bisher für möglich gehalten hatte. Sein Markenzeichen stand schon relativ bald fest: Fast predigerhafte Texte über seine Liebe zur Schallplatte, unterlegt von ein paar spröden Akkorden mit dem Potenzial, das ganze Leben umzukrempeln. Die „heilige Geschichte“, wie es der vergessen geglaubte American Songwriter ausdrückt. Sich der Musik hinzugeben und dabei die Songs zu schreiben, die die Menschen hören müssen, so seine ganz eigene Mission.
Heute ist das Komponieren für ihn so selbstverständlich, wie zu atmen. Lebensnotwendig. Er wartet nicht auf den Kuss der Muse, er selbst packt sie an den Haaren. Küsst sie wach, fordert sie heraus, rüttelt und schüttelt sie. Ob Wurlitzer oder Gitarre – völlig egal. Er sucht, lernt, formt. Nicht wegen des Ruhms, dem glitzy Glamour oder den tausend Annehmlichkeiten, die das Künstlerleben so mit sich bringt. Seine Motive sind andere. Er will das Grundgerüst des Rock ausbauen, die Vergangenheit würdigen und die Zukunft prägen. Theo liebt die unendlichen Möglichkeiten, die die Musik bietet: Einfach lebendig zu sein. Vogelwild, stark und mit allen Sinnen den Moment erleben. Zeitgleich zu zwei komplett in Eigenregie veröffentlichten 7“-Singles und einer EP konnte man seine ersten wirklich ernstzunehmenden Liveauftritte feiern (inklusive einer Show beim berühmten Montreal Jazz Festival im dem Land, aus dem auch Theos vorfahren stammen). 2015. Theo Lawrence & The Hearts haben sich gefunden: Theo Lawrence am Mikrophon, Thibault Lecocq am Schlagzeug, Nevil Bernard am Keyboard, Louis Marin Renaud an der Gitarre und Olivier Viscat am Bass. Alle perfekt aufeinander eingespielt, mit allen Songs im Ärmel, um ein eigenes Album aufzunehmen. Ein Vertrag mit BMG wird unterschrieben, danach geht es direkt in die legendären Black Box Studios nach Angers, um mit Peter Deimel hinter dem Mischpult zehn Songs einzuspielen. Zwei Wochen getrennt von der Außenwelt, zwei von Gefühlen geleitete Wochen, in denen Emotionen jede Art von eventuellem Pragmatismus einfach beiseite fegen und irgendwelche Pläne zugunsten der bandeigenen Abenteuerlust über den Haufen geworfen werden. Mit einem kollektiven Grinsen als untrüglichem Zeichen dafür, dass ein Song die interne Qualitätskontrolle erfolgreich bestanden hat und so ist, wie er sein soll. Eine solide Basis, ein Versprechen. An sich selbst und an die Zukunft. Facettenreichtum und Zeitlosigkeit – zwei Dinge, die ganz oben auf ihrer Agenda stehen.

Fesselnd. So ließe sich ihr Album beschreiben. Obwohl die Songs völlig neu sind und dem Publikum gänzlich unbekannt, wirken sie sofort seltsam vertraut. Als wären sie schon immer da gewesen. Vielleicht ist es Soul, oder gar beseelter Rock. Doch in erster Linie wird ihr Sound von dem unbändigen Spirit der Jugend bestimmt, die sich aus schon Bestehendem ihre eigene Nische zimmert. Neben dem gemeinsamen Savoir-Faire, seiner besonderen Kultiviertheit, seiner meisterhaften Instrumentenbeherrschung und seiner notorischen Controlfreak-Einstellung lässt man sich von seinem Gefühl und seinen Instinkten leiten. Wen interessiert es bei derartig ungewöhnlichen Songs noch, woher Theo Lawrence & The Hearts ursprünglich stammen? Wenn diese Stimme, der man ihre französische Herkunft nicht im geringsten anhört, in eindringlichen Worten von der Existenz und vom Sein singt, sind alle Hintergrundinfos egal. „Homemade Lemonade“, so der Titel ihres Albums. Ein Versprechen, das sich der damals 14-jährige Theo selbst gab. Gute acht Jahre später löst er es nun ein. Und es hat sich gelohnt. Ein Pakt mit sich selbst, der die Zeit überdauert hat. Und wenn man ihn heute mit leuchtenden Augen von Don Cavalli, den Alabama Shakes, den Ramones und Aretha Franklin, von thailändischer und kambodschanischer Musik aus den 60ern, Willie Nelson, Joe Tex, Ray Charles, Neil Young und Gospel, dem Delta oder Tarantino sprechen hört, wird eines sofort klar: Hier ist nicht von irgendwelchen vorgefertigten Schubladen oder Stereotypen die Rede. Sondern einzig und alleine von seiner größten Leidenschaft.

Ihr Album scheint nur so vor Wagemut und Talent zu strotzen. Eine kühne Mischung, die so manchem Hörer ein breites Lächeln aufs Gesicht zaubern wird. Vermutlich. Doch das ist nur der Anfang für Theo Lawrence & The Hearts. Garantiert

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