Montag, Dezember 10, 2018
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I feel Pretty – unsere Review

I FEEL PRETTY

Kann uns eine Komödie sowohl erfreuen als auch traurig stimmen? Wenn man, wie ich, ein Fan des skandinavischen Kinos ist, antwortet man mit ja. Aber in Hollywood ist das nicht gerade Gang und Gäbe. Ein Beispiel für so eine Mischung ist „I feel Pretty“.

Die Grundidee des Films passt sich perfekt in das Hollywood Schema von einer Komödie. Wenn man sich allein die Ausgangsituation ansieht, blickt man direkt durch. Renee, gespielt von Amy Schumacher, verletzt sich bei einem Fahrrad Training am Kopf, dadurch ändert sich Ihre eigene Wahrnehmung. Alles was sie bis jetzt gestört hat, ist jetzt ein Grund zu Freude und Begeisterung. In Ihren Augen ist sie schlank, sexy und attraktiv. Ihr Wahnsinn erzeugt bei Ihrem Umfeld im ersten Moment ein Lächeln des Mitleids, doch Ihre Energie und ihr Enthusiasmus sind ansteckend. Diese neue Eigenschaft erlaubt es Ihr, sich in einer Welt zurechtzufinden, zu  der Sie vorher aufgeschaut hat.

Das, was dann in dem Film passiert, ist ein typischer Hollywood streifen, der unperfekter Body wird für lustige Szenen missbraucht zu Freude der Zuschauer.  Zum Beispiel Bikini Contest an dem Renee teilnimmt, oder Bettszenen mit neuer Bekanntschaft. Alles bringt den Zuschauer zum Lachen. Der Kontrast zwischen dem, was der Zuschauer sieht und was Renee in sich selbst sieht ist so enorm, dass das Lachen zu einer natürlichen Reaktion wird. Aber die Macher des Films haben sich nicht nur an Amy Schumacher und Ihrem Körper orientiert. Auch die schauspielerischen Künste von Michelle Williams sind nicht zu verachten. Sie spielt die Chefin eines Kosmetik Imperiums und spricht mit sehr hoher und leiser Stimme, ist dazu schlank und sexy. Die zwei Gegensätze, die manchmal aufeinander prallen sich auch Lachgarantie.

Aber wenn man hinter die Fassaden schaut und aufpasst, wie Kohn und Silverstein (Regie und Drehbuch) die Welt zeichnen, ist es nicht mehr so lustig. Schumacher wird hier als ein Hofnarr gezeigt, der als einziger das Recht hat, die wahre Welt zu zeigen. Sie demaskiert die Reduktion des Menschen auf das Äußere. Alle um Renee sind belastet von eigenen Komplexen. Angst vor Nicht-Erfüllen der Wünsche Anderer, der Frust, dass man nicht man selbst sein kann. Die Schönen und Reichen sind wie Drogenjunkies, die der Welt Ihre eigenen Normen aufzwingen.

„I feel pretty“ ist vielleicht nicht die grandioseste Komödie der Welt, was man schon daran merkt, dass das Hauptanliegen ausgesprochen sein muss, aber es ist ein Film der Spaß macht. Und vor allem ein Film der zum denken anregt über die heutige Konsumenten Gesellschaft.