Donnerstag, Dezember 13, 2018
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Großes Theater im Kino. Ein Film, den man sich ansehen muss.

5 Protagonisten, ein Haus und vor allem „Der Vorname“. So kann man den Film, der am 19. Oktober die Zuseher in Österreich erfreuen wird, beschreiben. Aber es ist viel, viel mehr. Es ist ein Meisterstück des Theaters, das perfekt fürs Kino in Szene gesetzt wurde. Aber alles der Reihe nach.

Elisabeth, eine Lehrerin am Bonner Gymnasium und ihr Mann, Stephan, laden Thomas – Elisabeth’s Bruder – und seine Freundin Anna zum Abendessen ein. Mit von der Partie ist auch ein Freund der Familie, Rene. Der Abend könnte zu einer perfekten Familienidylle werden, wäre da nicht die Ankündigung von Thomas. Er und Anna erwarten ihr erstes Kind. Und haltet euch fest, das Baby soll auf den stolzen Namen „Adolf“ getauft werden. Stephan, der Intellektuelle der Familie, Professor an der Bonner Universität, kann sich nicht zurückhalten. In diesem Moment entfacht eine Diskussion über „zulässige“ Vornamen im deutschsprachigen Raum. Sehr starke Egos geraten aneinander, es wird ein wahrer Psychokrieg. Es werden keine Mittel zurückgehalten, um den anderen vom eigenen Standpunkt zu überzeugen. Ob man dabei verletzend wird oder gar vernichtend, ist den Protagonisten egal. Es geht letztendlich um den eigenen Stolz.

Das Thema ist in diesem Moment egal. Jugendsünden kommen zum Vorschein, Geheimnisse werden offenbart. Der Abend endet… Naja, das kann man ja ab 19. Oktober im Kino sehen.

Die Diskussion über den Vornamen ist das Herzstücks des Films. Ich kann mir sogar vorstellen, dass einige Zitate aus den Gesprächen Kultstatus erlangen. Wie könnte man einen derartigen Satz vergessen: „Du bist der Erste seit 1945, der es schafft Hitler und Gott in einem Satz zu erwähnen!“ Ein Lacher jagt den nächsten, doch am Ende denkt man über die heutige Gesellschaft nach.

Schauspielerisch muss man hier vor allem Christoph Maria Herbst als tragende Person erwähnen. Seine Darstellung von Stephan wird für immer in meiner Erinnerung bleiben. Er spielt seine Rolle perfekt und kitzelt aus der Figur die kleinsten Nuancen des Professoren-Daseins heraus. Er ist damit nicht einverstanden, dass jemand, der keine Matura hat, erfolgreicher sein kann, als er selbst. Auch wenn ich vor allem Stephan heraushebe, alle 5 Schauspieler sind perfekt für ihre Rolle gecastet. Sie alle tragen viel zum Kinoerlebnis bei.

Mein erster Eindruck nach der Vorstellung war, man sollte es im Theater als Stück aufführen. Deswegen war ich gar nicht überrascht, als ich gelesen habe, dass es sich um ein Theaterstück handelt, das eigentlich erst im Nachhinein für das Kino adaptiert wurde. Ich hoffe, wir können dieses Stück demnächst auf einer der Bühnen Deutschland bewundern. Aber erstmal ins Kino. Ich garantiere Euch, ihr werdet Spaß haben!