Mittwoch, Juni 19, 2019
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X Ambassadors – “Orion” – Review

Asche auf mein Haupt, bis mich Tosca von Oktober Promotion angeschrieben hat, kannte ich die Band X AMbassadors gar nicht. Ich entschuldige mich in aller Förmlichkeit. Zwei Brüder, Sam (Sänger) und Casey Harris (Keyborder) und Adam Levin (Schlagzeug) bilden das Trio, das an mir so lange vorbei ging. Auch wenn ich die Single “Jungle” schon mal gehört hatte und die Beats Werbung mit diesem Lied kenne, konnte ich keine Association zu der Band herstellen. Also noch mal Sorry, Jungs.

Das ich mich bei einem Künstler so entschuldige wie in diesem Fall passiert bei mir selten, aber die Musik von den Jungs darf nicht übersehen werden. Das neuste Werk “Orion” beinhaltet 11 Lieder und erscheint am 14 Juni. Ich muss ehrlich zugestehen, ich habe mich schon lange nicht so gefreut über eine Platte wie bei den drei Jungs.

Es fängt schon mit einer richtig geilen Nummer an, die uns im Ungewissen lässt, was da genau auf uns zukommt: “Boom”. Ja Boom boom boom macht die Platte von Anfang an. Wenn zu Beginn einer Platte ein Trennungslied kommt, kann man davon ausgehen, dass es sehr persönlich wird, und ja, es wird persönlich: “Walking away from you, That’s what I’m gonna do”. Nicht nur der Rhythmus könnte die Leute auf die Tanzfäche mitreissen, auch die Metaphern die Sam singt “Cause my pain, uh huh, is gasoline”. Es könnte wirklich explosiv sein. Nach dieser geilen Nummer wird es noch besser. Eine eher ruhige Nummer “Wasteland”. Sehr ruhig aufgebaut. Was ich so sehr schätze bei Indierocker, sie verlassen Schemas und bauen Ihre Lieder so selbstbewusst, dass man die Standards vergisst. Erinnerte mich teilweise von der Atmo an With or Without you. Wirklich eine geile Nummer, die man mehrmals hören muss, um bestimmte Nuancen zu hören und genießen zu können. Dann kommt “Recover”. Eine typische X Ambassadors Nummer. Erinnert an Imagine Dragons frühere Werke. Es ist unglaublich, wie man mit einfachen Mitteln und vor allem mit der Stimme so viel Spannung in einem Lied aufbauen kann.

Dann folgt Confidence. Schon die ersten Takte zeigen uns, was die drei Jungs aus Brooklyn in Sachen Balladen so drauf haben. Ein langsamer Aufbau und eine weibliche Stimme machen aus diesem Lied etwas Besonderes. Ein Lied über den verlorenen Glauben. Wie der erste Song Boom enthält er sehr persönliche Erzählungen von Sam. Über Trennung und das Vertrauen in eine Beziehung. Eine sehr angenehme Abwechslung zu den eher schnelleren Nummern auf der Platte. Dann folgt Hey Child. Eines der besten Lieder auf der Platte. Ich weiß nicht genau, wie man dieses Lied beschreibt. Was mir einfällt wäre: abwechslungsreich, spannend, energiegeladen und vor allem geilomatisch. Aber hört es Euch selber an:

Es folgen noch I Dont Know how to pray, hold you down und Rule. Rule ist auch wieder ein Ausnahmelied auf der CD. Sehr langsam und fast romantisch. Das anfänglich zärtliche Piano geht in elektronische Klänge über und die Stimme von Sam ist sehr sanft und berührt nicht nur unsere Körper sondern vor allem unsere Seele. Ein Lied über zweite Chancen, über Zukunft, über gebrochen Herzen, die in Millionen Stücke zerbrachen und niemand uns wieder derart verletzten könnte. Danach wird es wieder sehr sanft und zärtlich, mit einer Akustik Gitarre erzählt Sam Harris seine Geschichte, ja wir sind bei History angekommen. Eine Geschichte von zwei Menschen, wie man sich denken kann. Die Geschichte einer gebrochene Beziehung. Wie gesagt, diese Platte ist wie eine Erzählung von gebrochenem Herzen und davon, wie man sich nach einer Trennung fühlt. Dann erwarten uns nur noch Shadow und Quieksend.

Was kann man über diesen Werk sagen? Es ist melancholisch, romantisch aber vor allem ehrlich und persönlich. Ich muss zugestehen, dass mich die Arrangements von Casey umhauen, immer wieder, wenn ich mich auf sein Keybordspiel konzentriere. Es sind teilweise Chords an Stellen, die man nicht erwartet. Eine sehr frische Brise von geiler Musik in einer Plastikwelt. Man wünschte sich einfach, dass aus jedem Beziehung-Aus, so ein Werk entsteht.

Ich hoffe, die Jungs kommen auch bald auf eine Tournee und ich kann mir diese Lieder live anhören. Wir freuen uns jetzt schon drauf.