Donnerstag, August 22, 2019
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Woodstock – 50. Jahrestag, Deluxe-Box-Set und weitere Versionen ab Freitag

In diesem Sommer jährt sich WOODSTOCK zum 50. Mal und damit jenes Event, das wie kein anderes eine ganze Generation geprägt hat und wohl eines der bedeutendsten Ereignisse in der Musikgeschichte ist. Und obwohl seine kulturelle Bedeutung riesig und seine Strahlkraft bis heute ungebrochen ist, wurde noch nie der Versuch unternommen, das historische Event so zu dokumentieren, wie es sich in seinem kompletten und korrekten Ablauf, sozusagen in Echtzeit, ereignet hat. Genau dies haben nun die Produzenten Andy Sax und Steve Woolard mit einer 38 Disc / 432-Tracks-Box getan, die eine nahezu vollständige Rekonstruktion des ungefähr 36 Stunden langen WOODSTOCK-Events darstellt und die Performance von jedem Künstler auf dem Festival in chronologischer Reihenfolge präsentiert. Die Sammlung enthält insgesamt 267 vorher unveröffentlichte Tracks mit insgesamt fast 20 Stunden Spielzeit!

Die Box WOODSTOCK 50 – BACK TO THE GARDEN: THE DEFINITIVE ANNIVERSARY ARCHIVE ist auf 1969 individuell nummerierte Exemplare limitiert und erscheint in einer Siebdruck-Sperrholzkiste, die mit Segeltuch ausgelegt ist und vom Bühnenaufbau des Festivals inspiriert wurde. Sie wurde von dem mit einem Grammy ausgezeichneten Grafikdesigner Masaki Koike gestaltet. Zum Set gehört zudem der WOODSTOCK-Film auf Blu-ray, ein Faksimile des Originalprogramms, ein Gitarrengurt, zwei WOODSTOCK-Poster, der Reprint eines Tagebuchs, das von einem anonymen Besucher während des Festivals geschrieben wurde, zwei 8×10-Zoll (20×25 cm) Drucke des legendären Rock-Fotografen Henry Diltz und Essays von Zax, vom renommierten Musikautoren Jesse Jarnow und vom bahnbrechenden Rock-Kritiker Ellen Sander. Ebenfalls enthalten ist ein Exemplar von „Woodstock: 3 Days of Peace & Music“ (Reel Art Press), ein umfangreiches, neues gebundenes Buch über das Event von Michael Lang, einer der Mitorganisatoren des Festivals. Die Kollektion erscheint am 2. August. Vorbestellungen können ab sofort unter www.rhino.com/woodstock50 abgegeben werden und werden von 4 exklusiven Lithographien (18×15 Zoll / ca. 45×38 cm) von Dale Saltzman begleitet, die auf den Bannern basieren, die vor Ort beim Originalfestival aufgehängt waren.

Schon früher in diesem Sommer, am 28. Juni, wird Rhino zwei weitere Kollektionen veröffentlichen:
Die WOODSTOCK – BACK TO THE GARDEN – 50th ANNIVERSARY EXPERIENCE enthält 162 Tracks auf 10 CDs und ist die erste WOODSTOCK-Kollektion, die Live-Performances von jedem Künstler auf dem Festival enthält. Diese Version wird auch als digitaler Download erhältlich sein.
Die WOODSTOCK 50 – BACK TO THE GARDEN: THE ANNIVERSARY COLLECTION präsentiert 42 Tracks und erscheint sowohl als 3-CD als auch als 5-LP-Set.

Zwischen dem 15. und 18. August 1969 versammelten sich über 400.000 Menschen auf den ca. 2,5 km2 (600 acre). großen Weiden von Max Yagurs Milchfarm in Upstate New York bei Woodstock, wo 32 Acts performten – darunter einige der berühmtesten und einflussreichsten Musiker der Ära, wie Joan Baez, The Band, Crosby, Stills, Nash & Young, Creedence Clearwater Revival, Grateful Dead, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jefferson Airplane, Santana, Sly and the Family Stone und The Who.

Das Konzert führte zu einigen Soundtrack-Alben und auch zu Michael Wadleighs mit einem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilm. Insgesamt haben der Film und die Alben einen neuen populären Mythos geschaffen, der aber nur einen Bruchteil dessen abdeckt, was wirklich geschah. „Back To Garden“, so schreibt Andy Zax in den Liner Notes, „will die Leute das Festival so hören lassen, wie es wirklich ablief.“
„Wadleighs Film erzählt eine Geschichte von WOODSTOCK, aber er erzählt nicht die Geschichte. Dieses Archiv zum 50. Jahrestag, das fast alle Aufnahmen aus dem Festival nahezu in Echtzeit präsentiert, erzählt eine andere Geschichte. So wie Wadleighs Film eine Art psychedelisches Busby Berkeley-Musical ist, ist Back To Garden eine wahrhaftige Audio-Dokumentation. Die gesamte Mythologie von Woodstock befindet sich hier in einer Box – oder zumindest alles, was zu diesem Mythos führte. Auch die Realität ist hier dabei. Und das eine behindert das andere nicht.“

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Die zeitraubende Herausforderung, das Konzert-Audio zu rekonstruieren, begann damit, die über 60 Mehrspur-Bänder aufzufinden, die Eddie Kramer und Lee Osborne seinerzeit bespielten, ebenso wie die ca. 100 Mischpult-Bänder, die von der Bühnencrew aufgenommen wurden. All diese Bänder zu sichten und zu ordnen – einige waren bearbeitet, falsch betitelt oder sogar verlorengegangen – und sie dann korrekt wieder zusammenzubringen, war ein Prozess, der in manchen Fällen Jahre dauerte.

Zax erzählt, dass er, der Soundproduzent Brian Keshew und der Mastering-Techniker Dave Schultz es so weit wie möglich vermieden, in das Audiomaterial einzugreifen, um ihre Authentizität zu wahren. „Es überrascht nicht, dass die erste Reaktion anderer Produzenten auf die Tapes in all den Jahren lautete: ‚äh-oh!‘, sofort gefolgt von ‚wir müssen einen Weg finden, das zu korrigieren‘. Ich finde diese Herangehensweise nachvollziehbar, aber es gab eine darüberstehende Lektion, die Brian Kehew und ich gelernt haben, als wir im Jahr 2005 begannen, mit den Woodstock-Tapes zu arbeiten, und die ist: Man kann es nicht korrigieren. Das ist weniger schlimm als es scheint, denn wenn du die Idee einmal akzeptiert hast, dass es keinen Weg gibt, diese Aufnahmen einander anzugleichen und sauber klingen zu lassen, dann wird dir klar, dass diese Tapes die klangliche Entsprechung selbstgezogener Tomaten sind: etwas unperfekt, aber superlecker.“

Wie auch immer, in manchen Fällen brauchte man die Vorteile moderner Technik, um dringend erforderliche Restaurierungen durchzuführen, die vor wenigen Jahren noch nicht möglich gewesen wären. Zax erklärt: „Die einzige erhaltene Aufnahme von Ravi Shankars Woodstock-Auftritt besteht in einem Mono-Band mit suboptimalem Sound. Aber der bahnbrechende Entmischungs-Prozess, den James Clarke in den Abbey Road-Studios entwickelte, erlaubte es uns, die Parts, die jedes einzelne Instrument spielte, zu isolieren und einen neuen Stereomix zu schaffen. Ähnlich haben neue Verbesserungen im polyphonen Tuning uns erlaubt, bislang unkorrigierbare Bläserparts in der Blood, Sweat & Tears-Perfomance zu reparieren, was es möglich machte, sie zum ersten Mal so klingen zu lassen, wie es damals sein sollte.“

Aber bei den WOODSTOCK-Audios geht es nicht nur um die Musik – es geht auch um die Menschen, die dabei waren. Glücklicherweise blieben die Mikrophone während des ganzen Festivals an und fingen die Diskussion der Bühnenarbeiter um das Mittagessen und die Rufe im Publikum nach aktuellen Baseball-Ergebnissen genauso ein wie Max Yagurs ermunternde Rede an das Publikum, das sich auf seiner Farm versammelt hatte.

Ebenso hört man die Kavalkade der Bühnenansprachen, die Bühnenmanager John Morris und Lichtanlagen-Direktor Chip Monck machten, die als Moderatoren für das Festival verdingt wurden, weil niemand einen Sprecher engagiert hatte. Auf allen dreien dieser neuen Jubiläums-Kollektionen kann man sie zwischen den Songs hören, wie sie Ansprachen zu allem Möglichen machten, von verlorenen Schlüsseln bis zu den Warnungen vor dem „blauen Acid“. Die letzte Disc von Back To The Garden dient als Anhang und enthält ergänzende Aufnahmen und ein paar Audio-Ausschnitte, deren Platzierung in der Abfolge des Festivals nicht nachvollzogen werden konnte.

Das Klischee sagt: „Wenn du dich an die Sechziger erinnern kannst, warst du nicht dabei.“ Back To The Garden ist ein Weg für Leute, die sich nicht erinnern können dabei gewesen zu sein. Und bei jedem, der da war, wird es vielleicht die Erinnerung zurückbringen