Donnerstag, August 22, 2019
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Unterhaltung oder politischer Aufruf? Peter Maffay veröffentlicht Single+ Video zu „Morgen“

„Morgen“, so heißt die neueste Auskopplung aus Peter Maffays aktuellem Album „Jetzt“. Das klingt zunächst versöhnlich, was sich aber schnell als Irrtum erweist. Das Video zu diesem Titel ist schonungslos und härter als jeder Musikclip, den Peter Maffay jemals veröffentlicht hat. Es zeigt den Rockmusiker mit versteinerter Miene zwischen Bildern von Krieg und Gewalt, Neonazi-Aufmärschen, Militärparaden, ertrinkenden Menschen, Umweltkatastrophen und Tierquälerei.

Das ist nichts für schwache Nerven und sicher nicht die Musik, mit der man den Tag in Ruhe ausklingen lässt. Das Video polarisiert und das soll es auch. „Wollen wir wieder warten, bis der Morgen kommt?“, fragt er im Refrain des Textes, der aus der Feder von Johannes Oerding stammt. Mit diesem rockigen Song beweist Peter Maffay einmal mehr klare Haltung und liefert einen eindringlichen Appell, der durch einen Kinderchor noch verstärkt wird:

„Wann kommt die Zeit, wenn wir endlich kapieren
Dass Planeten nicht unsterblich sind
Wann kommt die Zeit, wenn wir endlich kapieren
Dass die Zeit uns durch die Hände rinnt“

Der Musiker, der schon mit Songs wie „Eiszeit“, oder „Liebe wird verboten“ und dem multikulturellen Projekt „Begegnungen“ Stellung bezogen hat, scheint ungeduldiger und ungehalten zu werden. Ist diese Musik noch Unterhaltung?

Oder ist es politische Auseinandersetzung, wenn es heißt:

„Bilder von Kindern mit durstigen Augen
Fanatiker töten mit Messern und nenn’ das Glauben
Jeder schmeißt Bomben für den eigenen Frieden
Menschen werden umgebracht, weil sie die Falschen lieben“

Peter Maffay selbst sagt dazu:
„Wir haben fast überall in Europa eine Orientierung nach rechts, die Europäische Union hat sich in eine Glaubwürdigkeitskrise manövriert, wir blicken noch immer ratlos auf die erodierenden Länder, aus denen Menschen dorthin fliehen, wo Hoffnung auf ein besseres Leben besteht. Wir erleben religiös motivierten Terror und Gewalt auch vor unserer Haustür und verzeichnen eine desaströse ökologische Entwicklung. Derweil schachert man in Brüssel um Ämter und Personen. Die so genannten Volksparteien ergehen sich in einem endlosen Hick Hack, Intrigen und selbstmörderischen Findungsprozessen. Ich glaube, dass sehr viele Leute von diesem Polit-Theater die Nase voll haben, so wie ich auch. Wir wissen nicht, ob unser Planet noch zu retten ist. Was wir aber wissen ist, dass die Probleme elementar sind und nur gemeinsam bewältigt werden können. Deshalb ist die Frage: „Wollen wir wieder warten bis der Morgen kommt?“ keine wirkliche Frage, denn es gibt darauf nur eine Antwort: „Nein!“