Marteria ist zurück - und wie! Mit "Roswell" kandidiert der Rapper erfolgreich für das vielleicht beste Album des Jahres 2017. Topaktuell und zeitlos, gesellschaftskritisch und autobiografisch, offen politisch und metaphorisch versteckt. Auf "Roswell" vereinen sich diese Elemente zu einem Gesamtkunstwerk, dessen roter Faden in vielen Fassetten leuchtet.

Die Vorabsingle "Aliens", die mit Arnim Teutoburg-Weiß - seines Zeichens Frontmann der Beatsteaks - ein gelungenes Feature mit sich bringt, ist ein testosterongeladener Superhit. Doch bei diesem Duo hätte man daran sicherlich sowieso nicht gezweifelt, oder? Ein Vorbote, der im Kontext des ganzen Albums noch einmal überragender wird.

Starke Beats fusionieren mit schlauen Wortspielen und der tiefen Stimme, das ist eben Marterias Ding. Doch zum vierten Mal beweist der 34-Jährige, dass es keine alte Leier, sondern immer wieder genial und anders ist. Statt einem Stillstehen auf der immer selben Stelle, prescht er immer wieder selbstbewusst vorwärts, ohne sich dabei fremd zu gehen.

Die deutsche, aber auch internationale Politik und ihre Entwicklungen rücken immer weiter in den Mittelpunkt der aktuellen Musik. Marteria verteilt in "El Presidente" Mittelfinger an Amerika und gibt mit "Links" einen hilfreichen Hinweis: "Wenn du nicht mehr weißt wohin, dann geh links". Statt wie viele seiner Kollegen damit zu prahlen, wie viel Reichtum sie innehaben, fordert der sowieso stets bodenständige Rapper "Das Geld muss weg" und verpasst damit reihenweise Ohrwürmer.

Doch nicht nur das Weltgeschehen verarbeitet der Rostocker in seinem neusten Werk, auch persönliche Niederschläge und Tiefpunkte, die ihm zu dem Menschen geformt haben, der er heute ist, kommen an die Oberfläche. Und wenn man Marteria ist, kann man sogar einen Song über einen Fisch schreiben, ohne dabei merkwürdig zu werden. Mit "Blue Marlin" setzt der Hobbyangler dem Fisch und seinem Fang ein kleines, aber feines Denkmal.

Da spätestens seit "Lila Wolken" Marterias Name in aller Munde ist, darf auch 5 Jahre später auf "Roswell" ein Feature mit Miss Platnum und Yasha nicht fehlen. Das Trio, dessen Stimmen so herrlich harmonieren, geben sich in "Elfenbein" nachdenklich.

Nachdem bereits "Zurück in die Zukunft II" den Platinstatus erreicht hat, wäre es nur gerecht, wenn es ihm "Roswell" gleichtun würde. Irgendwo zwischen Apokalypse und einem "eigentlich ist alles gar nicht so schlimm"-Gefühl hat sich Marteria mit seinem neuen Album niedergelassen. Und weil so ein Album nicht schon genug Arbeit ist, legt der Rapper mit "ANTIMARTERIA" einen 60-minütigen Spielfilm, der über mehrere Wochen in Südafrika gedreht wurde, kostenlos obendrauf. So viel Kreativität gebührt Respekt!

 
 


Anna Fliege 
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