Ganz im Zeichen des Bären steht das Hurricane Festival dieses Jahr. Die Hauptbühne wird von diesem Tier verziert. Am Freitag kann man nun auch sagen, dass das Festival gestartet ist und das nach den Erfahrungen vom letzten Jahr glücklicherweise reibungslos. Die mittlerweile obligatorische Warm-Up-Party, dieses Mal mit Montreal, fand schon am Donnerstag statt. Nachdem das Festival seinem Namen an eben diesem Donnerstag, Hauptanreisetag, seinem Namen mal wieder alle Ehre machte und die Campingplätze im Gewittersturm so richtig abgesoffen sind, war der Warm-Up auch bitter nötig. Die Bands, weswegen sich die Besucher ihre Tickets gekauft haben, spielen aber erst ab heute. Und hier kann man sich wirklich mal über drei Tage lang aussuchen, ob man eher die Rock- oder die Pop-Schiene fahren möchte ohne zwischendurch großartig Bühnen wechseln zu müssen. Wir entscheiden uns auf der Rockschiene zu fahren, die uns heute einen Tag an der Green Stage beschert. Um Punkt 14:15 wird das Festival vom Hurricane Swim Team eröffnet (?Am sichersten seid ihr im Auto?). Man kann nur hoffen, dass das Hurricane Swim Team dieses Jahr keinen Einsatz hat. Der Himmel scheint uns aber wohlgesonnen zu sein. Die Sonne kann nicht durch die Wolken knallen und diese halten relativ dicht. Gut für Frank Turner, der sein ausgefallenes Konzert von 2016 nachholt. Dieses ist wegen eines starken Unwetters sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Und noch viel besser für seinen Bandroadie und Mundharmonika-Spieler Jimmy, der heute seinen 40. Geburtstag feiert und deswegen ein Bad in der Menge geben ?darf? beziehungsweise muss. Frank Turner lässt ihm hier keine andere Wahl. Skeptisch nimmt er dann doch Anlauf zum Stage Dive und hat dann doch sichtlich Spaß. Klassiker, wie ?Photosynthesis? und ?I Still Believe? dürfen in Frank Turners Setlist nicht fehlen und diese werden vom Publikum sehr gut aufgenommen. Mittlerweile hat sich der Engländer einen großartigen Ruf in Deutschland erspielt und es ist erstaunlich zu sehen, wie viele Leute auf einem Festival mit 70.000 Besuchern seine Texte kennen. Gleiches gilt für Flogging Molly, die im Anschluss spielen. Es sind auch schon alte Bekannte. Erst kürzlich haben sie ein neues Album veröffentlicht, von dem sie natürlich Songs spielen. Dennoch bleiben Flogging Molly im Großen und Ganzen bei ihren Klassikern. Es sind Lieder, wie ?Drunken Lullabies? oder ?What?s Left Of The Flag?, die die Fans hören wollen und zu denen sie auch mitsingen können. Auch Jimmy wird von Dave King zum Geburtstag gratuliert. Man merkt ihm die Spielfreude heute richtig an. Immerhin sind rund um Flogging Molly quasi nur Freunde gebucht. Skinny Lister, Frank Turner und Rancid. Alle drei waren sie bei Flogging Mollys Salty Dog Cruise im Jahr 2016 dabei. Für die Bands ist der ganze Tag auf der Green Stage wie ein großes Klassentreffen. Nathen Maxwell hat wohl auch Bekannte im Publikum gesehen. Während seine Bandkollegen die Bühne verlassen springt er nach Abschluss des Konzertes noch für einen Crowdsurf ins Publikum und lässt sich dort von den Fans feiern. Ebenso, wie Flogging Molly haben auch Rancid ein neues Album vorzustellen. Dennoch spielen selbst sie mehr von ihren Hits, obwohl das neue Album grandios geworden ist. In München waren sie zusammen mit Green Day unterwegs und in eben diesem Paket bekommt man Rancid nun in Scheeßel. Leider können die Wolken, die schon den gesamten Tag den Blick auf die Sonne vertrüben dann auch nicht mehr an sich halten, so dass der Auftritt von Rancid, der eher in einen sommerlichen Spätabend passt, doch noch nass und verregnet wird. ?Ruby Soho? spielen sie zum Abschluss und bekommen damit auch nochmal das Publikum voll in ihren Griff. Nun erlebt das Hurricane Festival etwas, was es wohl zuvor noch nicht gegeben hat. Eine fast einstündige Umbaupause. Der Laufsteg und die aufwendige Bühnenshow von Green Day müssen vorbereitet werden. Danach folgt eine fast 2 1/2-stündige Show, die international ihresgleichen sucht. Angefangen von dem Introeinspieler ?Bohemian Rhapsody? von Queen, über einen Anheizer-Hasen auf der Bühne, von dem bis heute nicht bekannt ist, ob es nicht doch Schlagzeuger Tré Cool ist, bis hin zum ersten Song ?Know Your Enemy?, bestückt mit zahlreichen Pyroeffekten. Billie Joe Armstrong gibt sich in bester Spiellaune und holt direkt zu Anfang die erste Frau auf die Bühne, um mitzusingen. Neben echtem Feuerwerk gibt es aber auch ein Hitfeuerwerk, in welchem die neuen Lieder, wie ?Revolution Radio? oder die aktuelle Single ?Still Breathing? ihren Platz genauso haben, wie die absoluten Klassiker ?Basket Case? und ?When I Come Around? oder Songs, wie ?Boulevard of Broken Dreams? und ?Are We The Waiting / St. Jimmy? aus ihrer ?American Idiot?-Zeit. Green Day bieten einfach für jeden Fan etwas, für einige Fans sogar zusätzlich on top eine Bühnenperformance. ?Longview? darf ein Fan singen, der diesen Song nicht nur gut performt, sondern eine solche Bühnenshow hinlegt, dass das Publikum ihm Szeneapplaus spendiert. Ebenfalls Applaus bekommt Dennis, der zu ?Knowledge? eingeladen wird die Gitarre zu spielen. Billie Joe Armstrong zeigt ihm die drei Akkorde, diese sitzen bei Dennis perfekt und der rennt mit der Gitarre auf der Bühne hin und her, die er dann sogar noch geschenkt bekommt. Ist halt bloß die Frage, wo er diese auf einem Festival über die restlichen zwei Tage noch verstauen möchte. T-Shirt-Kanonen kommen ebenso zum Einsatz, wie ein Wasserschlauch, den Billie Joe Armstrong ins Publikum hält. Bei Green Day wird einem alles geboten und das über 2 1/2 Stunden Spielzeit. Mit ?King For A Day / Shout / Always Look On The Brightside Of Life / I Can?t Get No Satisfaction / Hey Jude? ist noch ein großartiges Medley verschiedener Hits an Bord. Und mit ?Jesus of Suburbia? die 10-Minuten-Punkrockoper schlechthin, abgeschlossen durch zwei laute Feuerwerkseffekte. Einzig und allein Billie Joes ?Heyhos? sind gefühlt nochmal mehr geworden als bei den Hallenkonzerten der Band. Das geht dann schon etwas auf die Nerven. Der Abschluss mit ?Good Riddance? setzt einen wunderschönen Schlusspunkt hinter den ersten Tag, der erst zum Abend leichten Nieselregen brachte und ansonsten verhältnismäßig ruhig verlief.
 
 


Marcel Linke 
Schlagwörter: Wo, Was, Wann, News, Nachrichten, Revie, Konzert
 
Mike & the Mechanics in Essen
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