Von der auf das Zelt brennenden Sonne geweckt starten wir in den zweiten Festivaltag. Beim Blick auf den Timetable wird schnell klar, dass wir einiges vor uns haben. Auch das Geschehen auf dem Gelände nimmt langsam wieder Fahrt auf ? schon vor 12.00 Uhr strömen die ersten Fans zu den Bühnen - die Spuren der letzten Nacht zumeist hinter Sonnenbrillen versteckt. Doch auch das Wetter macht die Sonnenbrille zum wohl wichtigsten Accessoire des Tages. Bei knapp 30 Grad wird die Bekleidung so knapp wie möglich gehalten und auch der ein oder andere heftige Sonnenbrand ist zu sehen.
Grund für den frühen Bühnenbesuch ist die Kieler Band Leoniden, die die Ehre haben die Green Stage zu eröffnen. Wer den Weg vom Campingplatz zu früher Stunde auf sich genommen hat wird von einem energiegeladenen Auftritt der Jungs belohnt. Eine Band von der man in der nächsten Jahren hoffentlich noch viel hören wird. Nächster Halt ist die Red Stage, wo die Jägermeister Blaskapelle auf dem Programm steht. Um 12.30 Uhr ist das Zelt bereits sehr gut gefüllt und die Blasmusik-Versionen bekannter Songs verleitend zu einem ausgelassenen Tänzchen.
Ausgelassen getanzt werden darf auch bei Skinny Lister. Die britsche Shanty-Folk-Band bringt auf der Green Stage die Massen in Bewegung ? und einen Stage Diving mit Kontrabass bekommt man wohl bei keiner anderen Band zu sehen.
Nach einer kurzen Stärkung geht es zurück zur Red Stage. SXTN könnte man in etwa als die weibliche Antwort auf K.I.Z. bezeichnen. Das Berliner Hip Hop-Duo besticht mir provokanten aber ebenso durchdachten Texten und nimmt absolut kein Blatt vor den Mund. Das wird offensichtlich vom Publikum geschätzt, denn das riesige Zelt ist beinahe komplett gefüllt und verwandelt sich abermals in eine triefende Sauna mit vielen springenden Menschen. Im Anschluss übernimmt den Münchener Rapper Fatoni, der vor etwas weniger Gästen aber mit umso mehr Charme und Wortwitz eine erstklassige Hip Hop-Show abliefert.
Ein Gast aus England hat sich indes auf der Green Stage eingefunden. Dem Status eines Geheimtipps ist Frank Turner längst entwachsen. Die Songs seiner inzwischen sechs Studioalben werden vom Publikum ausgiebig gefeiert und mit seiner sympathischen Art schafft Frank Turner es sowieso mühelos die Besucher auf seine Seite zu ziehen.
Weiter geht’s mit kurzen Besuchen bei Neonschwarz und Haftbefehl, ehe bei Flogging Molly erneut Freunde des Folk-Rock auf ihre Kosten kommen. Selbst nach 20 Jahren Bandgeschichte hat die Gruppe um Sänger und Gitarrist Dave King nichts von Ihrer Spielfreude verloren. Der Spaß auf der Bühne überträgt sich schon nach wenigen Takten auf das Publikum.
Einen eigenen, unverkennbaren Stil zu finden fällt vielen Bands schwer. Eine Band, der dies absolut gelungen ist, steht mit Ok Kid nur auf der Red Stage vor uns. 45 Minuten voller Gefühl, Message und positiven Vibes.
Als die „Ruhe vor dem Sturm“ könnte man Milky Chance an diesem Abend bezeichnen. Auch wenn die Band erst zwei Alben auf den Markt gebracht hat, ist die Hitdichte beeindruckend und die 75 Minuten Stagetime zu füllen stellt für die Band absolut kein Problem dar. Optimales Programm für die letzten Sonnenstrahlen des Tages.
Doch nun genug geschwärmt ? Green Day stehen in den Startlöchern. Nach einem langen Intro inkl. Plüschhasen auf der Bühne geht es mit „Know Your Enemy“, „Bang Bang“ und „Revolution Radio“ gleich zu Beginn ordentlich zur Sache. Billie Joe, Mike Dirnt und Tre Cool reihen Hit an Hit, holen Fans auf die Bühne und werden lautstark von Pyrotechnik unterstützt. Kurz nachdem die Band den neuen Song „Still Breathing“ beginnt findet das Konzert ein unerwartetes Ende ? Stromausfall. Anlage, Leinwände ? alles aus. Nach einigen Minuten scheint es weiterzugehen. Die Gitarre ist wieder zu hören und auch die Leinwände liefern für kurze Zeit wieder Livebilder von der Bühne. Dann der erneute Ausfall. Trotz der massiven technischen Probleme bleibt die Band noch einige Zeit auf der Bühne und spielt unverstärkt für die Hardcore-Fans in den ersten Reihen weiter. Dann irgendwann die traurige Gewissheit: Nichts geht mehr. Nach knapp anderthalb Stunden verabschiedet sich Green Day vom Publikum.
Für uns bedeutet das, das wir in aller Ruhe zu Imagine Dragons aufbrechen können. Ein kurzer Abstecher zu den Orsons fällt leider aus, da das Zelt gerappelt voll ist. Mein nicht allzu hoch angesetzten Erwartungen an die „Radioband“ Imagine Dragons wurden dann in kürzester Zeit um weiten übertroffen. Sehr sympathische Band, tolles Bühnenbild und eine wunderbare Setlist ergeben eines der absoluten Highlights dieses Wochenendes.

 
 


Markus Maier 
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Mike & the Mechanics in Essen
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