Moin Luhmühlen! Der zweite Tag beginnt grau und ein wenig verregnet, aber das sind wir sowohl von Norddeutschland, als auch von Festivals gewohnt. Jeder hat an sein Regencape gedacht, alle sind gut vorbereitet.


Eine weitere Besonderheit dieses Festivals? Als Einstieg in den Tag können im Zeltraum deutsche Filmproduktionen im Kinoformat geschaut werden. Am heutigen Donnerstag ist es „MANCHE HATTEN KROKODILE“, ein Film über das Leben im berühmtberüchtigten wie wertgeschätzen Hamburger Viertel St.Pauli. Nebenan dreht es sich derweil ebenfalls um St.Pauli, jedoch aus einem ganz anderen Blickwinkel. Micha Fritz, Mitbegründer von Viva con Agua und Chef der Millerntor Gallery erzählt von seinem bewegenden Werdegang und wie er von Hamburg aus die Welt ein kleines bisschen besser macht.


Schon um die Mittagszeit wird uns noch einmal bewusst, dass das A Summer’s Tale weit mehr als nur ein Musikfestival ist. Den Festivalbesuchern wird so viel geboten, dass man selbst in vier Tagen nur einen Bruchteil der Angebote wahrnehmen kann. In der Probiererei gibt es jeden Tag Crashkurse in Sommerrollen richtig rollen und die fritz-Mischwerke. Hier lernen die Workshop-Teilnehmer, wie man mit Getränken der fritz-Familie im Handumdrehen fabulöse Longdrinks zaubert.


Neben der Probiererei wird handwerklich Woodworking betrieben, es wird um die Wette gesägt und praktische Klapphocker gebaut, die einen super Partner für die restlichen Tage abgeben werden. Sogar sprachlich kann man sich in der Lüneburger Heide fortbilden. An drei Terminen wird im Wissenszelt ein Plattdeutsch Crashkurs abgehalten. Das lässt man sich als Nicht-Norddeutsche natürlich nicht entgehen.


Jetzt wird es aber wirklich wieder Zeit für Musik. A Tale of Golden Keys aus dem bayrischen Schwabach kommen mit gefühlvoller Gitarrenmusik, die den ein oder anderen, mich eingeschlossen, zum Tanzen überzeugt. Leider ist nach der Hälfte Schluss für mich, denn im Zeltraum wartet mein persönlicher Geheimtipp des Festivals und der aktuellen Musikwelt schon. Tash Sultana, eine australische Sängerin, die mit ihren zarten 22 Jahren ein beeindruckendes Talent bereithält. Das Zusammenspiel zwischen Stimme und der Gitarre beschert ihrem Publikum Gänsehaut, ihr Hit „Jungle“ ist ein wahres Highlight. Dabei steht die junge Frau ganz allein auf der Bühne, beherrscht das Loop-Pedal und lässt die Frage, ob sie nicht eine Band bräuchte, in Luft auflösen. Wird ein weiteres Instrument für einen Song gebraucht, ist das gar kein Problem, Tash Sultana ist ein wahres Multitalent.


In ihre letzten Takte mischen sich schon eine andere Band: Cigarettes After Sex, irgendwo zwischen Shoegaze und Dream Pop, drücken auf die Tränendüse. Ihre Songs sind bittersüß und traurig. Die Texaner haben heute die Ehre, als erste Band auf der großen Konzertbühne zu spielen. Statt angekündigtem Regen gibt es Sonnenschein am blauen Himmel, vornehmlich liegen die Leute auf der Wiese und lauschen den sanften Klängen der Band.


Selbst starke Windböhen, die den Veranstalter dazu bringen, eine Unwetterwarnung rauszugeben, können der guten Laune an diesem Donnerstag nichts. Zum Glück bleibt es nur beim Wind, ansonsten lässt es sich nicht klagen.
Die zweite Band der großen Bühne, deren Vorplatz ein kleiner Sandstrand ist, sind The Common Linnets. Einige könnten sie noch vom Eurovision Songcontest 2014 kennen. Ilse DeLange und ihre niederländisch-amerikanische Band belegten damals mit ihrem Song „Calm After The Storm“ den zweiten Platz und waren Gewinner der Herzen. In Deutschland erreichte der Song sogar Platinstatus, drei Jahre später sind sie zu Gast in Luhmühlen und und verzaubern den Donnerstagvorabend mit ihren Countryklängen.

Bevor es mit den Headlinern in den Abend startet, statten wir dem ZeltRaum einen erneuten Besuch ab. Dan Croll hat vor wenigen Tagen sein zweites Album „Emerging Adulthood“ veröffentlicht. Der sympathische Brite beglückt uns am frühen Abend mit seinem Indie-Rock und lässt die Menschen im Zeltraum umhertänzeln. Mit bekannten Songs wie „From Nowhere“ und „Compliment Your Soul“ tanzen wir glücklich in den Abend.


Hoher Besuch aus England hat sich angekündigt. Ihre exklusive Deutschlandshow spielt keine geringe als Alternative-Rock-Queen PJ Harvey natürlich beim A Summer’s Tale. Elegant schwebt die Sängerin eine Stunde lang über die Bühne, während die Sonne in ihren schönsten Farben langsam hinter den Bäumen verschwindet. Der Platz vor der Konzertbühne ist bis hinten hin gefüllt, jeder möchte Teil der außergewöhnlichen Show sein, Polly Jean Harvey zieht sie alle in ihren Bann.  

Könnte ich mir eine Band dieses Festivals aussuchen, mit denen ich einmal ein paar Bier trinken könnte, ich würde mich ohne zu überlegen direkt für Johnossi entscheiden. John Engelbert und Oskar "Ossi" Bonde aus Schweden sind so verdammt sympathisch, dass man während ihres Konzertes nicht anders kann, als gut gelaunt zu sein. Im Zeltraum herrscht gegen halb 10 ausgelassene Partystimmung, man springt und tanzt, eigentlich dürfte diese Stunde niemals enden.


Leicht verschwitzt, mit hochrotem Kopf und einem breiten Lächeln mittendrin störmen die Menschen aus dem Zelt zur benachbarten großen Open Air-Bühne. Exklusivität wird hier großgeschrieben. Auch der zweite Headliner des heutigen Abends findet sich auf dem A Summer’s Tale zu seinem einzigen Deutschland-Konzert in diesem Jahr ein: Pixies, die vielleicht legendärste Indie-Band, die es seit über 30 Jahren gibt, die sich zwischendurch aufgelöst und dann wiedervereint hat, ist ein wahrer Publikumsmagnet. Der Platz vor der Konzertbühne ist proppenvoll, die Band auch nach drei Jahrzehnten leidenschaftlich bei der Sache. Highlight ist natürlich, wie sollte es auch anders sein, „Where Is My Mind?“. Den Song kann ganz Luhmühlen auswendig mitträllern, es ist ein Fest.

 
 


Anna Fliege 
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Mike & the Mechanics in Essen
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