Dienstag, September 17, 2019
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FISHERMAN’S FRIENDS: Die Geschichte des Shantys, die bekanntesten Lieder und Interpreten

FISHERMAN’S FRIENDS fischen frische Fische – und singen dabei Shanty! Doch wo liegt eigentlich der Ursprung des Seefahrerliedgutes und was ist das Besondere an diesen Liedern, dass selbst heute in Kneipen und auf Festen der weltbekannte „Drunken Sailor“ besungen wird?

Es ist „der Rock‘n‘Roll von 1752“, so heißt es in der britischen Komödie von Chris Foggin, die ab dem 8. August 2019 auf den deutschen Kinoleinwänden zu sehen sein wird. Anlässlich des Kinostarts von FISHERMAN’S FRIENDS schauen wir uns die Geschichte des Shantys sowie die größten Lieder und Interpreten an.

Gehen wir der Shanty-Geschichte auf den (Meeres-)Grund

Das 19. Jahrhundert gilt als Blütezeit des Shantys. Es ist die Zeit der großen Seefahrernationen, mit Großbritannien an der Spitze. So wundert es auch nicht, dass die meisten der Seemannslieder auf Englisch sind und der Begriff selbst seinen Wortstamm zum Teil im Englischen findet. Denn der Begriff „Shanty“ leitet sich aus dem englischen Wort „chant“ sowie dem französischen Wort „chanter“ ab und bedeutet „singen“.

Ursprünglich dienten die Seefahrerlieder dazu bei Gruppenarbeiten, wie z.B. dem Tauziehen, den gleichen Rhythmus zu halten. Erste Erwähnung der Arbeitslieder finden sich bereits im 15. Jahrhundert. Damals wurde aus praktischen Gründen auf instrumentale Begleitung verzichtet. Heute, nachdem die industrielle Revolution die Schiffe modernisierte und das Shanty in den Unterhaltungssektor verschoben hat, greifen die Liedermacher für die unverkennbaren Seemannsklänge gerne auf Mundharmonika, Fidel oder Banjo zurück.

Was sollen wir bloß mit dem betrunkenen Seemann machen?

Das ist wohl die Frage, die in der Shanty-Geschichte am häufigsten gestellt wurde. Der weltbekannte „Drunken Sailor“ taucht in den amerikanischen Quellen bereits 1839 auf und ist seither die unangefochtene Spitze, wenn es um bekannte Seemannslieder geht. Einen konkreten Erfinder des Liedes konnte man nicht ausmachen. Bis heute wurde der Song von mehreren Interpreten in verschiedenen Ausführungen und abgewandelten Texten herausgebracht – zuletzt 2012 in dem Computerspiel „Dishonored: Die Maske des Zorns“, die einen „Drunken Whaler“ besingen.

Das Seemannslied „New York Girls“, auch bekannt unter dem Titel „Can’t You Dance the Polka“ ist ebenfalls ein gern gecovertes Lied. Neben vielen musikalischen Vertretern griff auch die Popkultur auf den Song zurück. So findet man ihn im Film GANGS OF NEW YORK von 2002 und auch bei FISHERMAN’S FRIENDS sowie dem Videospiel „Assassin’s Creed Rogue“ (2014). Und das ist nicht das einzige Videospiel, in dem Shantys zu hören sind: Für „Dishonored: Die Maske des Zorns“ (2012) und „Red Dead Redemption 2“ (2018) sowie „Assassin’s Creed IV: Black Flag“ (2013) wurden Shantys eigens neu aufgenommen und helfen dem Spieler dabei in die Welt der Piraten und Seefahrer einzutauchen.

Eines der bekanntesten deutschsprachigen Shantys ist das Soldatenlied „Wir lagen vor Madagaskar“, welches Komponist Just Scheu zugeschrieben wird und 1934 entstand. Später brachten Freddy Quinn und Heino ihre eigene Version des Seemannsliedes heraus. In Norddeutschland jedoch besingt man vor allem den „Hamborger Veermaster“, der auf dem Weg nach Sacramento in Kalifornien ist und sich von dem englischen Shanty „The Banks of Sacramento“ inspirieren ließ.

Die Shanty-Bands von heute

Noch heute finden sich in jeder Hafenstadt Deutschlands vielerlei Shanty-Chöre. Besonders auffällig ist es, dass diese fast ausschließlich aus Männern bestehen. Die heutigen Seefahrerbands gehen mit der Zeit und mischen den traditionellen nautischen Klängen auch Pop- und Rock-Elemente zu. Wie sich das anhört, zeigt seit 2011 die Band Santiano. Jedes ihrer Alben erreichte mehrfachen Goldstatus, wenn nicht sogar Platinstatus – der Erfolg spricht für sich.

Shanty – Gern gesehene Gäste der Popkultur

Dass Shantys und Piraten kein alter Hut sind, zeigt sich unter anderem an dem Erfolg von Disneys FLUCH DER KARIBIK-Filmen (2003-2017). Die Reihe um Captain Jack Sparrow, der nur allzu gerne über seine Buddel voll Rum singt, feierte mit der Filmmusik von Hans Zimmer und dem Piratenthema weltweit Erfolge. Das Shanty „Yo Ho a Pirate’s Life for Me“ gehört nicht nur zum festen Bestandteil des Disney Themenparks, auf dem die Filme basieren, sondern zieht sich durch drei der fünf Filme des berühmten Franchises.

Die britische Komödie FISHERMAN’S FRIENDS nahm das kulturelle Erbgut auf und hat es zu einem wesentlichen Bestandteil der Filmhandlung gemacht. Die Songs umspielen die emotionalen Schlüsselmomente des Films und stammen alle aus dem Repertoire der Originalband Fisherman’s Friends. Diese schafften 2010 einen unerwarteten Erfolg in ganz England, der bis heute anhält.

Die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte der Seemänner ist ab dem 8. August im Kino zu sehen.

Zum Film:
Das Junggesellen-Wochenende im idyllischen Cornwall ist ein Reinfall: absolut nichts los hier. Musikmanager Danny (Daniel Mays) und seine Kollegen aus London fallen in dem beschaulichen Fischerdorf Port Isaac peinlich auf – erst recht, als die ach so coolen Großstädter beim Stand-up-Paddling aus dem Meer gezogen werden müssen. Die freiwilligen Seenotretter um Fischer Jim (James Purefoy) sehen Danny und seine Jungs überraschend schnell wieder: Die kauzigen Seemänner treten als Chor Fisherman’s Friends auf und schmettern Shantys. Prompt wird Danny beauftragt, die Hobbysänger unter Vertrag zu nehmen. Dummerweise ist ihm nicht klar, dass seine neue Mission bloß ein Scherz ist. Und so quartiert sich Danny im Bed & Breakfast von Jims attraktiver Tochter Alwyn (Tuppence Middleton) ein und heftet sich an die Gummistiefel der Fishermen. Das Werben um die 10 kornischen Fischer wird zu einem Kampf um den Respekt der Männer, die Familie, Freundschaft und die Gemeinschaft über Ruhm und Reichtum stellen. Während Danny immer tiefer in die traditionelle Lebensweise der Fischerfreunde gezogen wird, stellt sich ihm die Frage, was Erfolg im Leben wirklich bedeutet.

Fast zu schön, aber tatsächlich wahr! Die charmante Komödie FISHERMAN’S FRIENDS basiert auf der sensationellen Erfolgsgeschichte des Shanty-Chors Fisherman’s Friends: Die singenden Seebären stürmten 2010 die britischen Charts und wurden zu Kultstars. Vor der Kulisse der romantisch-rauen Küste Cornwalls erzählt der etwas andere Heimatfilm aber vor allem von Zusammenhalt, wahrer Freundschaft und dem Mut, neu anzufangen.