Sonntag, September 27, 2020
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„Liquid knives check the prize“: YUNG LEAN veröffentlicht neue Videosingle „Violence“

Der schwedische DIY-Rap-Pionier Yung Lean veröffentlicht die neue Videosingle „Violence“. Nach „Boylife in EU“ ist sie der zweite Vorgeschmack auf ein kommendes Projekt namens „Starz“, das vollständig von Homie und Langzeit-Kollaborateur Whitearmor produziert wurde. Das Doppelvideo teasert mit „Pikatchu“ zudem einen weiteren Song des kreativen Innovateurs. Regie für das rätselhafte Video, in dem sich Lean in einem verlassenen Haus im Einkaufswagen suhlt, führte der 23-Jährige zusammen mit Marcus Söderlund.

In „Violence“ wechselt Yung Lean in alter sad-boy-Manier im selben Atemzug zwischen selbstbewusstem Diss und ehrlichem Einblick in seine Gedankenwelt. Er thematisiert seinen Rockstar-Lebensstil und Pionierstatus in der Musikindustrie, abgerundet mit melancholischen Hinweisen auf die innere Leere, die er auf seinem Weg von einem Schuljungen zum international gefeierten Rapstar erfahren musste. Diese manifestierte sich in einem Struggle zwischen Hochmut, Depression und Drogensucht.

Mit dem Doppelvideo liefert Lean seinen in Quarantäne und sozialer Isolation sitzenden Fans gleich zwei neue Tracks. Sie folgen auf ein Quarantäne-Konzert auf einem LKW im Stockholmer Hafen vergangene Woche. Der 23-jährige Sohn einer Menschenrechtsaktivistin und eines Schriftstellers gab dabei vor imposanter Kulisse eine Mischung aus Klassikern, Raritäten und neuen Tracks zum Besten.

Geboren als Jonatan Leandoer Håstad verbrachte Yung Lean seine frühe Kindheit in Asien und Osteuropa, bevor sich seine Familie – seine Mutter ist Menschenrechtsaktivistin und sein Vater Schriftsteller – in Stockholm niederließ. Als Kind war er unruhig, als Teenager weltberühmt, nachdem seine schlauen ersten Musikvideos von den Medien mit Verwirrung und Ehrfurcht aufgenommen wurden. Eine der frühesten Schlagzeilen sprach von dem „seltsamsten 16-jährigen weißen schwedischen Rapper, den du diese Woche hören wirst“.

Heute ist Lean 23 – und der Überraschungsmoment ist längst einer anhaltenden Tiefe, unerbittlichen kreativen Ambitionen und echter Komplexität gewichen. Der luftige, unbesiegbare Sinn für Humor seines Debüt-Mixtapes „Unknown Death 2002“ verwandelte sich zum Zeitpunkt seines zweiten Studioalbums „Warlord“ im Jahr 2016 in erstickende Paranoia (und eine Tragödie im wahren Leben). Im selben Jahr erschien er auf Frank Oceans „Blonde“ und veröffentlichte eine schäbige Punk-Platte mit seinem langjährigen Produzenten Gud. Im Jahr 2018 arbeitete er an einem preisgekrönten Ballett mit und gewann einen schwedischen Grammy.

„Viele Leute sagen: ‚Es begann als Meme und wurde zu etwas Ernstem'“, erklärte Lean kürzlich, nachdem er die Bram Stoker-Medaille für kulturelle Leistungen am Trinity College erhalten hatte. „Aber für mich war es immer aufrichtig. Ich war dieselbe Person. Es ist nur so, dass die Leute es zunächst nicht verstanden haben.“

Keines von Leans Alben entfernte sich weiter von seinen Wurzeln als das jüngste Werk „Nectar“ (2019), das unter dem Namen Jonatan Leandoer96 erschien. In poetischem Art Rock fand er eine neue Freiheit, während Vergleiche mit Bob Dylan und Beck gezogen wurden. Das Album erschien nur wenige Tage bevor mit „Creep Creeps“ wieder eine geradlinige Rap-Single veröffentlicht wurde, für deren Produktion sich Working On Dying (Lil Uzi Vert, Drake) verantwortlich zeigte. Der Song war weniger eine Reaktion oder Entwicklung, als vielmehr ein seltener Edelstein, der sich dreht und neue, unerwartete Facetten offenbart.

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