Sonntag, September 27, 2020
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Das Moped veröffentlichen heute Video zur ersten Albumsingle „Viel zu lang“ – Debütalbum erscheint im Mai!

„Es gab kein Morgengrauen, das ohne uns anbrach, wir lagen ständig auf Asphalt.“

Im Februar erschien noch die EP „Niemand Sonst“, nun gibt es mit „Viel zu lang“ endlich das Video zur ersten Single aus dem kommenden Debütalbum von Das Moped!

„Viel zu lang“ ist ein „Coming of Age“-Song. Er erzählt von der Magie einer unerfüllten Sommerliebe. Während inhaltlich Nostalgie, vielleicht sogar Bedauern im Vordergrund stehen, ist die Melodie voller Positivität. Die schwärmerische Sprache trifft auf treibende Synthies und Drums. Soundlich greift der Titel typische Elemente der Indiepop-Hochzeit der 2000er auf, in der die Jungs von Das Moped musikalisch sozialisiert worden sind. Einen Hauch Nostalgie verströmt auch der Clip zu „Viel zu lang“, der heute am 20.04.2020 erschienen ist.

Nach unzähligen Konzerten im letzten Jahr (darunter viele Festivals wie z.B. das Dockville, das Reeperbahn Festival, das Waves in Wien sowie einer ersten Headlinertour), waren Das Moped gerade der Special Guest auf der großen Hallentour von Wanda, die dem Osnabrücker Trio viele neue Fans in ganz Deutschland beschert hat. Die letzten drei gemeinsamen Shows wurden aber aus bekannnten Gründen verschoben.

Eine Tour als Vorband von Roy Bianco & den Abbruzati Boys steht auch noch an. Sobald die Krise überstanden ist, werden diese Termine nachgeholt – genau wie die Headliner-Tour von Das Moped zum kommenden Debütalbum „Erstaunlich klar“, das am 22.05.2020 via Epic/Sony erscheint. Die in Wien erfolgten Aufnahmen leitete Paul Gallister, der unter anderem bereits für Wanda hinter den Reglern saß.

Alles über Das Moped

Es sind gute Zeiten für deutschsprachige Popmusik! Hätte man ja auch nicht gedacht, dass man diesen Satz mal ruhigen Gewissens und gar mit Ausrufezeichen in einen Text schreiben würde. Aber auch wenn es immer noch sehr erfolgreiche Musiker mit sehr, sagen wir, hüftsteifen Texten und generischem Oh!-Oh!-Oh!-Songwriting gibt, tourten in den letzten Monaten, als man das noch durfte, ein paar erstaunlich freshe Acts durch die Clubs des Landes. Einer dieser Acts hört auf den wundervollen Namen Das Moped und hat nun nach zwei EPs („Alle wollen Liebe“ und „Niemand Sonst“), einer recht furiosen Clubtour und einigen Shows im Vorprogramm von Wanda endlich sein Debütalbum fertig. Und das heißt nicht nur „Erstaunlich klar“, das klingt auch so. Was man erstmal schaffen muss, wenn man mit großem Herz, breitem Lächeln, weißer Schlaghose und feschem Schnauzbart einen Spagat zwischen Wanda und der Münchener Freiheit wagt. Oder zwischen Echt und Bilderbuch. Oder MGMT und Von Wegen Lisbeth.

„Ich will nur wissen, was das heißt, wenn du mir sagst, du brauchst mehr Zeit.“ Mit diesen Worten und dem Song „Lucky Luke“ beginnt das Album des Trios um Martin (Gesang, Synths), Augustin (Gesang, Gitarre) und Ali (Bass). Ein gewagter Opener, denn „Lucky Luke“ zeigt Das Moped sozusagen gleich im sechsten Gang (um zumindest einmal diesen metaphorischen Schenkelklopfer zu verbraten): Ein gepitchtes Sample, ein funky Gitarrenvibe, für den Abschlussball auf Hochglanz polierte Synths, Martins kristallklarer Falsettgesang und dann mit Augustins Unterstützung ein typischer Das-Moped-Refrain, der zugleich schmachtend, wunderschön und im besten Wortsinn kitschig ist. Wie man da auch noch Lucky Luke und dieses Quietsch-Sample unterbringt? Tja, muss man können.

Die Band selbst weiß dass sie mit der Wahl ihrer Mittel so manchen herausfordert. Und sie hat großen Spaß daran. „Ich glaube unter unseren Muckerfreunden werden wir dafür einiges zu hören bekommen“, lacht Martin in den Bildschirm während des Bandinterviews, das natürlich per Skype stattfindet – wie man das ja gerade leider so machen muss. Auch Ali erzählt: „Meine Freundin hat sich voll an dem Sample gestört. Ich weiß gar nicht wieso, ich find es geil.“ Wenn man mit der Band über ihre Musik redet, fällt oft auf, wieviel Bock die Drei auf ihren eigenen Sound haben. Was hier nicht selbstverliebt sondern extrem sympathisch wirkt, weil der Arbeitsprozess eben so auf Teamwork getrimmt ist, dass sie sich als Band immer noch selbst überraschen können. Als Augustin dann noch der Runde gesteht, warum er den von Martin geschrieben Song so toll findet, fragt man sich als Musikschreiber dann durchaus mal, für was man hier noch gebraucht wird. Besser als so hätte man die Wirkung ihrer Musik anhand dieses Songs nämlich auch nicht erklären können: „Ich finde es spannend, dass ich dieses Lied immer und immer wieder hören muss. Er zieht mich voll in seine Welt, aber trotzdem bleiben immer ein paar Fragen im Hinterkopf, weil ich den Text und die Musik nie ganz entschlüsseln kann. Das wird so ein Endlosloop, den ich voll schön finde, weil er mich immer wieder dazu treibt, noch mal reinzuhören.“

Wer die Drei im Gespräch erlebt oder sie schon mal auf der Bühne gesehen hat, ahnt bereits, dass sie sich schon eine ganze Weile kennen. Dieses intuitive, treffsichere Zusammenspiel kann man eben nicht zusammen casten. Ali, Augustin und Martin trafen sich während ihrer Schulzeit in Bad Kreuznach in der Nähe von Mainz. Wie das immer so ist. „In der Kleinstadt weiß man eben, wer Mucke macht“, sagt Augustin. „Martin und ich hatten schon in der Oberstufe miteinander zu tun, Ali hat mit meiner Schwester Abi gemacht. Als er 2010 dazu kam, ging es dann mit uns los als Band.“ Allerdings spielte man zunächst unter einem anderen Namen englisch-sprachigen Indie-Pop. Ziemlich guten sogar, aber nach einem Album vor rund fünf Jahren und einigen Touren, reizte es sie immer mehr, sich mal in der eigenen Sprache zu versuchen. „Na ja, wir haben halt Englisch gesungen, weil wir damals nur englischsprachige Musik gehört haben“, erklärt Augustin. „Aber eigentlich haben wir uns auch dahinter versteckt. Da geht schon einiges an Klarheit verloren, weil man letztendlich eher so textet, dass es schön klingt.“ 2015 änderte sich das so langsam, vor allem weil Augustin zu der Zeit für andere Künstler hin und wieder deutsche Songs textete. „Dann habe ich das mal für uns probiert und wenig später ist auch Martin drauf angesprungen. Der war anfangs eher kritisch, aber nach und nach haben wir die Detailverliebtheit entdeckt, die man in der eigenen Sprache entwickelt. Da haben wir gecheckt: Das können wir hinbekommen!“ Auch Ali gibt zu: „Ich war mir anfangs nicht sicher, ob wir auf deutsch singen sollten, aber dann hat mir die Herausforderung gefallen, noch einmal neue Wege zu gehen mit den beiden. Es war wie ein Schritt in Richtung Erwachsenwerden, dass man nur noch sagt, was man sagen will, so dass es jeder versteht. Wir feilen seit zwei Jahren an den Texten und es wird immer mehr das, was wir immer wollten.“

Songs wie „Flaneur“, „Niemand sonst“ oder das direkt ins Herz greifende „Traurig“ belegen das. Das Moped schaffen auch hier eine erstaunliche Ballance aus emotionalen Texten über das Lieben und die Sehnsucht und die Traurigkeit und einem Tonfall, der Kitsch nur dann zulässt, wenn er gewünscht ist. Dass dem so ist, liegt vielleicht an den Referenzen, die sie selbst nennen. Da wären Wanda (mit denen sie übrigens den Produzenten teilen), Bilderbuch, Von Wegen Lisbeth und Echt. Wie? Echt jetzt? Ja, sagt Ali: „Warum nicht? Echt waren so gut in ihrem Songwriting. Diese emotionale Klarheit und das bei maximalem Pop-Appeal – das haben wenige so gut hinbekommen wie Kim Frank und seine Jungs.“ Und Augustin ergänzt mit einem Lachen: „Genau, wir wollen die neuen Echt werden! Das wollt ihr Musikjournalisten doch hören.“ Dann ergänzt er, wieder ernster: „Diese emotionale Klarheit, diese Konkrete, das zeichnet uns glaube ich aus. Wir wollen uns nicht hinter schrägen Metaphern verstecken.“

Tun sie auch nicht. Die Ballade „Traurig“ ist da vielleicht das beste Beispiel. Wieder so ein Song, der die Band selbst überraschte. Martin erzählt: „Für mich war der Song eigentlich nur eine Skizze. Ich habe ihn in meiner WG gesungen, nachts, ich musste etwas leiser sein, weil die anderen schon schliefen.“ Das Lied handelt von einer Freundin, die mit Depressionen zu kämpfen hat. Ali, der bei diesem letzten Teil der Studio-Session nicht mehr dabei war, sagt: „Für mich war das die Überraschung des Albums. ‚Lucky Luke‘ und ‚Viel zu lang‘ mögen vielleicht Single seins, die einen gewissen Massen-Appeal haben, aber ‚Traurig‘ hat mich voll ins Herz getroffen, als ich ihn in der finalen Version hörte.“

Daran ist Produzent Paul Gallister nicht ganz unschuldig. Der saß bekanntlich bei allen Wanda-Alben am Mischpult und lernte Das Moped 2017 kennen. Ihm gefiel die Professionalität und der verschworene Spirit der Drei. Er lud sie in sein Studio in Wien ein. Seitdem arbeitet man so gut und so nah zusammen, dass es eben was gilt, wenn Gallister meint, „Traurig“ müsse unbedingt noch aufs Album. Das Vertrauen ist auf beiden Seiten groß, schon allein weil Das Moped auch die Wanda-Alben für sehr gelungen halten. „Ja“, gibt Ali zu, „er hatte bei uns von Anfang an Bonus-Punkte, weil wir alle überzeugt waren, dass er mit Wanda einen besonderen Sound geschaffen hat.“ Martin erklärt: „Bei Paul wird immer noch viel arrangiert und am Sound geschraubt. So passiert es, dass wir uns untereinander immer wieder überraschen und manchmal Lieder plötzlich ganz offensichtliche Singles sind, die wir uns anfangs nie als solche vorstellen konnten.“ Und Augustin ergänzt: „Über die letzten Jahre hat sich der Arbeitsprozess so dermaßen eingegroovt, dass es immer spannend blieb, obwohl wir so gut eingespielt sind. Ich könnte ewig so weitermachen.“

Weitermachen steht auch an anderer Stelle auf der To-Do-Liste, denn natürlich sind auch Das Moped durch die Pandemie da draußen in einer besonderen Situation. Und sie hatten Glück: Die letzten Streicher für „Traurig“ wurden nur wenige Tage vor dem Lockdown in Österreich eingespielt. „Wir sehen es als positives Ding, dass wir es rausbringen können“, sagt Augustin. „Eigentlich bin ich sau glücklich, dass es endlich so weit ist.“ Auch Martin meint: „Das ist genau richtig so, auch wenn jetzt einige Dinge natürlich anders funktionieren müssen. Aber die letzten Jahre, die EPs, die Touren, die Shows mit Wanda, das hat sich alles sehr gut angefühlt als Entwicklung. Das Album ist da der logische nächste Schritt, den wir jetzt machen wollen.“ Ali sieht das Positive an dieser seltsamen Zeit: „Ich finde den Aspekt schön, dass man jetzt mal wieder mehr Zeit hat, Musik zu hören. Wir haben so für dieses Album gekämpft, deshalb möchten wir die Leute einladen, sich für uns und unsere Musik Zeit zu nehmen. Vielleicht hilft sie ja.“

Wer bereits einen Blick auf das Cover von „Erstaunlich klar“ geworfen hat, weiß: Wir müssen nicht nur über Musik, sondern auch über Style sprechen. Himmelblaue Cowboystiefel mit Silberkram (Martin)? Eine so – Achtung: Kalauer! – „kuhle“ Jacke (Augustin)? Rosa Hemd zu Miami Vice-Sakko (Ali)? WTF? Aber irgendwie auch geil. Das Foto stammt von einem Shooting beim Dreh des „Das ist gut“-Clips, in dem Das Moped charmant Geschlechter-Rollen umdrehen. Aber nicht nur bei den allesamt sehr gelungen Clips machen sich die Drei schick und tragen auch mal Hochzeitskleider: Ihre Live-Show sind ebenfalls was fürs Auge. Schuld daran ist vor allem Sarah Knüpfer, die für Das Moped die Art Direction macht und die Stylings mit der Band zusammenstellt. „Mir macht das nicht nur Spaß, es ermöglicht dir auch, dich ein Stück weit selbst neu zu erfinden. Ich empfinde das aber nicht als verkleiden“, sagt Martin. Augustin ergänzt: „Ich sehe unsere Kleidung vor allem als eine Art extremer Interpretation unserer Persönlichkeiten. Wenn wir uns vor der Show umziehen, kommen wir in so ein besonderes Mindset und verwandeln uns ein Stückweit. Wie so ein Pokémon, das sich eine Stufe weiter entwickelt, sind wir dann eben der Moped-Ali, der Moped-Martin und der Moped-Augustin. Ähnlich wie in der Musik wollen wir damit unsere Gefühle spielerisch verstärken.“ Ali lacht an dieser Stelle laut auf und gesteht: „Ich wollte echt genau das Gleiche sagen, was ich bei Augustin jetzt nicht vermutet hätte.“

Bleibt am Ende nur die Frage, die sie wohl in jedem Interview noch einmal beantworten müssen: Warum heißen sie Das Moped? Weil sie damit auf Tour gehen wollen? Weil der Name Kettcar schon vergeben war? Weil sie damals die Jeansjackenmofarocker waren, das als Bandname aber doch etwas too much wäre? Nö. „Das ist so ein Insider bei uns“, erklärt Augustin. „Moped war eine Art Universalbegriff für alle möglichen Gegenstände. Nach ein paar Stunden im Proberaum hat man schon mal Wortfindungsstörungen und wenn einem dann die Wörter ‚Kabel‘ oder ‚Wasser‘ oder ‚Mikrofon‘ nicht einfiel, sagten wir einfach: ‚Gib mal das Moped.‘ Meistens wussten dann die anderen was gemeint war. Ein Moped hatte eigentlich nur Ali – wobei das dann doch eher ein Mofa war.“ Und ebenjener ergänzt: „Irgendwie feiern wir damit aber auch, wo wir herkommen. Wir sind Kleinstadtkids, die was Großes erleben wollten und ein Moped verbindet man ja eher mit einer Jugend auf dem Land. Vielleicht haben wir uns auch so genannt, weil wir diesen Hype des Urbanen nicht mitmachen wollen. Selbst wenn wir alle nach Berlin ziehen sollten, würden wir nicht auf Städter machen. Wir wollen das Ländliche also auch ein wenig feiern.“ Ein schöner Abschlusssatz – den man aber nur mit einer Ergänzung so stehen lassen kann: Das gilt nur für ihren Namen, ihr cleverer, ehrlicher, äh, echter, deutschsprachiger Indie-Pop klingt nämlich eher universell als provinziell.

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