Mittwoch, September 30, 2020
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Everything Everything veröffentlichen neues Album „Re-Animator“ im August – und heute das Video zur zweiten Single „Arch Enemy“!

In der letzten Woche veröffentlichten die aus Manchester stammenden Artrocker Everything Everything ihre neue Single „Arch Enemy“ – und kündigen damit den Release ihres nächsten Albums „Re-Animator“ an, das am 21.08.2020 erscheinen wird. Nun ist zu „Arch Enemy“ auch ein wahrlich spektakuläres Video erschienen.

Schon die erste Vorab-Single „In Birdsong“ konnte mit einem beeindruckenden Clip voller liebevoll und aufwändig animierter Fantasiewelten aufwarten, für das der Frontmann Jonathan Higgs die Corona-bedingte Zwangspause genutzt hatte, um sich Kenntnisse im Bereich der Animation anzueignen und umzusetzen. Im Falle von „Arch Enemy“ fungierte Jonathan Higgs als Regisseur und demonstriert zudem erneut im Verbund mit seinem alten Schulfreund Alex Johnson sein frisch entdecktes Talent für die Erstellung von 3D-Animationen. Das Ergebnis ist ein weiteres Mal außergewöhnlich sehenswert ausgefallen: Zu dem vorwärtsdrängenden Beat und den Staccato-Synthies des Songs wiegen sich wächserne Wesen, die halb Mensch und halb Amöbe zu sein scheinen, ekstatisch im Takt – und huldigen in der Kanalisation einem gutmütigen, an Jabba the Hutt erinnernden Giganten aus Fett, bis dieser zu einer gigantischen Schleimwelle zerfällt, die unsere moderne, urbane Zivilisation hinwegspült. Jonathan Higgs kommentiert die Entstehung des Videos folgendermaßen: “I made this video together with an old school friend, with whom I used to draw the most insane and grotesque things. We let our imagination run wild to bring the fatberg to life and create a world of friendly horror.”

Die Handlung des Clips korrespondiert auf ebenso verspielte wie grenzapokalyptische Weise mit den Lyrics von „Arch Enemy“, in denen der zeitgenössische Protagonist einen empfindsamen Fettberg anbetet, der schließlich die dekadente Gesellschaft unter sich begräbt, die ihn erschaffen hat. Jonathan Higgs fasst den Inhalt des Songs so zusammen: „‘Arch Enemy’ sees a modern-day protagonist searching for a meaningful God. Finding only a congregation of greed, toxicity and waste, in the form of a sentient fatberg in the sewer, he duly prays to it, willing it to purge the decadent world above that has created it. These growing grease mountains are a curious juxtaposition of the modern and the ancient; a brand new example of archaic squalor.”

Genau wie „In Birdsong“ feierte „Arch Enemy“ seine Premiere bei BBC Radio 1 in der Sendung von Annie Mac. Das kommende Album „Re-Animator“ ist der Nachfolger des 2017 veröffentlichten „A Fever Dream“, das bis auf auf Platz 5 der britischen Album-Charts kletterte und Nominierungen für den Mercury Prize sowie gleich zwei Ivor Novello Awards erhielt.

Der Ansatz von Everything Everything für „Re-Animator“ war, den kreativen Prozess zu optimieren, indem sie sich zunächst auf die Melodie- und Harmonieführung mithilfe von Synths und Programmierung fokussierten. Inspiration für neue Songs ereilte die Band ebenso schnell wie intensiv: Sie entsprang dem Staunen über die wunderschöne Welt, trotz der Schrecken, die aus der auf ihr betriebenen Politik resultieren; zudem aus der existenzialistischen Grundhaltung der Bandmitglieder und der verlängerten, aber zugleich allmählich schwindenden Jugendlichkeit, die mit der Lebensrealität einer tourenden Band einhergeht; und auch der verhängnisvollen Bedrohung des Klimawandels. All dies ließ bei den Mitgliedern von Everything Everything während des krativen Prozesses das Gefühl aufkommen, dass sich gerade Türen schließen, während andere sich öffnen.

Eine intensive Lesetätigkeit sorgte für die detaillierte Ausgestaltung dieser Grundideen. Dabei ist insbesondere die Faszination des Frontmanns Jonathan Higgs für den Psychologen Julian Jaynes und dessen Theorien zur bikameralen Psyche zu nennen. Ihrzufolge agierten zu Beginn der menschlichen Evolution beide Gehirnhälften zunächst unabhängig voneinander. Im Wesentlichen hörte eine Seite Anweisungen der anderen in Form einer körperlosen Stimme – und dies soll für einen zombieähnlichen Zustand des Vorbewusstseins gesorgt haben. “This idea of the divided self captivated me,” sagt Higgs, und er präzisiert: “Jaynes attributes this to the origin of gods, people ascribing deity status to this voice they could hear in their head. All this blew my mind, and I started thinking of ways I could make this a central concept. It really touched me. So across the whole record there are millions or references to this theory – to having a split brain, two selves, hearing voices.”

Passenderweise entstand auch das kommende Album „Re-Animator“ in zwei Phasen: Nach einem Jahr des Songwritings und des Aufnehmens von Demos schlossen sich im vergangenen Dezember zwei Wochen an, in denen die Band zusammen mit dem für seine Tätigkeiten mit Künstlern wie St. Vincent, Sharon Van Etten, Angel Olsen und Future Islands bekannten Produzenten John Cogleton das Album aufnahm. Cogleton ergänzte den von der Band gewünschten „back to the basics“-Ansatz, indem er sie dazu anhielt, schnell und kurzentschlossen an die Aufnahmen heranzugehen. Dies führte zu einem lockereren, weniger überladenen Sound, der den Fokus auf die Grundlagen des Songwritings lenkt.

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