Montag, September 28, 2020
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Kunst nicht erkannt. Kunst gebannt: Sabotage – Spoken Word Project BBXO scheitert an eigenwilliger Zensur bei Facebook

Sie wollten doch nur werben: Die Sponsored Posts des deutsch-britischen Musik/Spoken Word Projekts BBXO, mit denen die Künstler ihr neuestes Video „Sabotage“ promoten wollten, wurden von Facebook abgelehnt, dies sogar nach erneuter Prüfung.
Die Begründung: „… products or services that highlight sexual pleasure“. Der Anlass: Im Hintergrund des Posts und im zugehörigen Video ist der sozialistische „Bruderkuss“ zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker an der Berliner Mauer zu sehen; das Werk ist ein weltweit bekannter Teil der East Side Gallery.

Der Hamburger Musiker Krisz Kreuzer, musikalischer Kopf hinter BBXO, erklärt dazu: „Angesichts der Art von Inhalten, die auf Facebook eine Freikarte erhalten, sind wir ein wenig verwirrt. Es macht uns wieder einmal klar, wie sehr Social Media unseren Meinungsäußerung nicht nur ermöglichen, sondern auch bestimmen. Ironischerweise heißt der Song, den wir auf diesem Weg promoten, ‚Sabotage‘. Was wir als Künstler damit auf Facebook erleben, ist genau das.“

„Had a good thing. So I ruined it. Sabotage“

Ähnlich erging es der Band mit ihrem Song „Firestorm“ auf YouTube, der rassistische Angriffe verurteilte – und ebenfalls ge-banned wurde. Musa Okwonga, Autor, Spokenword-Poet und Sänger von BBXO: „Es sagt viel über den Zustand unserer Welt aus, wenn die offene Zurschaustellung gleichgeschlechtlicher Zuneigung und die Kritik an rechtsextremer Gewalt in direktem Gegensatz zu den Geschäftsmodellen der größten Social-Media-Unternehmen stehen.“

Das Video „Sabotage“ ist das jüngste der deutsch-britischen Formation BBXO. Darin geht es um das Unvermögen, sich selbst zu lieben und den Verrat an sich selbst. „Sabotage“ beschreibt diese Mechanismen und ist zugleich ein Appel, sanft und geduldig mit sich zu sein.

„Had a small grudge. Let it stew a bit. Sabotage“

Die Geduld des Künstlerduos wird derweil auf eine harte Probe gestellt: Facebook hat auch weitere – ebenso unverfängliche – Posts von BBXO auf die sprichwörtliche schwarze Liste gesetzt. Eine Begründung gab es auf Nachfrage nicht. (Stand: 10.8.2020)

„… And I sabotaged day and I sabotaged night
Sabotaged worldwide; took a sabotage flight
I am the assassin of my own happiness
Of my own misery, I’m visibly the catalyst …“

Über BBXO
Die Köpfe hinter BBXO sind der Hamburger Krisz Kreuzer vom urbanen Blues-Outfit Brixtonboogie und Musa Okwonga, der in London geborene und nun in Berlin lebende Autor und Dichter. BBXO haben einen Musikstil kreiert, den sie selbst „Future Blues“ nennen; er ist angesiedelt zwischen Spoken Word und Rap, zwischen Politik und Pop. Der Sound ist basslastig, zugänglich, zugleich eindringlich, leidenschaftlich und kraftvoll. Die Melodien von BBXO reichen von Soul bis Dancehall, von Blues über Grime bis Pop – und sie decken die ganze Bandbreite von Stimmungen ab: von der Euphorie eines Mittsommerfestivals über den ruhigen Abend zu Hause bis zum Aufbruch in ein neues Abenteuer.

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