Das Gespräch mit Sonja Rüther… Alles über das Schreiben, Selfpublishing und das Buch Geistkrieger!

Das Gespräch mit Sonja Rüther… Alles über das Schreiben, Selfpublishing und das Buch Geistkrieger!

Februar 5, 2022 Aus Von sid1972

Hallo Sonja, bevor wir zu deinem neusten Werk „Geistkrieger: Libellenfeuer“ kommen, habe ich noch zwei andere Fragen, um dich unseren Lesern näher zu bringen. Wer ist Sonja Rüther und was machst du außer schreiben?

Vielen Dank, dass ich dabei sein kann. Ich bin hauptberuflich Autorin, das lässt oftmals nicht viel Platz für andere Dinge. Aber wenn doch, spiele ich gern Brettspiele, manchmal Rollenspiel Let’s Plays bei Lurch und Lama oder ich zeichne – am liebsten Zombies. Müsste ich mich mit wenigen Worten beschreiben, wäre wohl „kreatives Chaos“ die richtige Beschreibung.

Wie kamst du zum Schreiben, wann entstand das Gefühl, dass du Autorin sein willst?

Das ging in meiner Jugend los. Es fing mit einer Art Fanfiction an, die ich heute sicher niemandem zeigen würde, weil sie handwerklich fürchterlich gewesen ist, aber es war der erste Text, den ich tatsächlich bis zum Ende geschrieben hatte. Dieses Gefühl ist unglaublich gewesen. Dann schrieb ich die Geschichte um. Sämtliche bekannten Figuren flogen raus und aus dem Hollywood Line up wurde ein Fantasy-Cast. Von da an habe ich nie wieder aufgehört zu schreiben. Viele Jahre nur für mich, weil ich diese Geschichte erzählen wollte. Ich arbeitete ein Jahr lang als AuPair in die USA, ich machte eine Lehre zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel, lernte meinen Mann kennen, arbeitete im Marketing und bekam zwei Kinder. In jener Zeit ist das Schreiben etwas gewesen, dass ich in jeder freien Minute an jedem Ort in unzähligen Notizbüchern fortführte. Durch das Testlesen von Romanen verbesserte ich mein Handwerk und irgendwann kam wie aus dem Nichts die Idee zu BLINDE SEKUNDEN. Ein Thriller. Das sollte nur eine Fingerübung werden, weil ich ja Phantastik schreiben wollte. Tja, und aus dieser Fingerübung wurde dann mein Debüt. Inzwischen kann ich auf einige Romane und Kurzgeschichten zurückblicken und ich genieße es sehr, genau das tun zu können, wofür ich brenne.

Wie sieht bei dir die kreative Arbeit aus? Ziehst du dich für mehrere Wochen zurück, oder schreibst du immer wieder zwischendurch?

Definitiv nicht so romantisch, wie man sich das vorstellt. Ich setze mich morgens mit dem ersten Kaffee an den Laptop und schreibe in der Regel acht Stunden. Ich gehe sehr diszipliniert an die Arbeit und kann innerhalb von drei Monaten einen fertigen, nach der Testlesephase überarbeiteten Roman abgeben. Gut, manche Geschichten nehmen mich so sehr mit, dass ich auch nachts wieder aufstehe und wie besessen schreibe, bis nach zwei Wochen der Rohtext im Kasten ist. So ging mir das zum Beispiel mit meinem Rocker-Roman ROCK THIS WAY, der demnächst erscheinen wird. Da steckt eine Menge Liebe zum Songwriting, zu Konzertbesuchen, Fans und dem Lebenswerk von Tom Petty drin. In jener Zeit hat meine Familie mich einfach machen lassen, weil ich eh ganz woanders gewesen bin. Und zweimal im Jahr fahre ich für ein bis zwei Wochen nach Leipzig, um mich während dieser Zeit ausschließlich aufs Schreiben zu konzentrieren.

Okay. Kommen wir erstmal zu deinem neusten Werk „Geistkrieger: Libellenfeuer“. Wie lange hast du für den zweiten Band gebraucht?

Das sind ungefähr drei Monate gewesen. Für den ersten Band FEUERTAUFE hatte ich wesentlich länger gebraucht, weil die Welt mit all ihren eigenen Begebenheiten entwickelt werden musste. Beim zweiten ist das wie nach Hause kommen gewesen. Ich konnte einfach ins Präsidium reinspazieren und zu den Geistkriegern sagen: „Na Leute, was geht? Bereit, etwas gequält zu werden?“ Funfact: Meine Figuren haben auf meiner Homepage eine spoilerfreie Selbsthilfegruppe gebeutelter Figuren, aber ich glaube, sie lieben mich trotzdem.

Wie kommt man überhaupt darauf ein „was wäre, wenn“ Buch zu schreiben?

Diese Lorbeeren muss ich an Konrad Hollenstein weiterreichen. Er kam damals zu mir und fragte, ob ich mir Folgendes vorstellen könnte: Kolumbus hat von den Ureinwohnern auf den Sack bekommen, die das Land fest in ihren Händen behalten haben. Das Ganze in der Jetztzeit als Phantastik-CSI-Crossover. Nun ja, das konnte ich mir sehr gut vorstellen. Deswegen wird er als Urheber der Grundidee im Impressum genannt. Es hat mir irre viel Spaß gemacht, diese Welt zu entwickeln und vor allem Finnley, meinen Protagonisten, in das Land zu schubsen, mit dem wir Powtanka richtig kennenlernen.

Das Universum von Powtanka ist so stimmig, dass ich mich nach dem ersten Teil gefragt habe, ob es nicht Wirklichkeit ist. Wie erstellt man so ein Universum?

So hatte ich mir das erhofft. Ich wollte eine Welt, die sich „andersartig vertraut anfühlt“. Da es von Anfang an als Phantastikroman geplant gewesen ist, habe ich das Land sich so entwickeln lassen, wie ich es für meine Handlung haben wollte, nicht wie man es anhand historischer Fakten wissenschaftlich herleiten könnte. Powtanka ist ein Stück weit eine bessere Welt, weil die Bevölkerung ihren Lebensraum schützt, alternative Energiegewinnung weit vorangetrieben hat und einen respektvollen Umgang mit allem Leben pflegt. Manche können die Astralwelt sehen. Es gibt Totems, besondere, aber seltene Gaben. Ein bisschen wie Shadowrun ohne Cyberpunk, Dreck und Reizüberflutung.

Dein Hauptprotagonist Finnley ist einer der interessantesten Charaktere, die ich in letzter Zeit in einem Buch getroffen habe? Wie entstand er, und gab es ein Vorbild aus deinem näheren Umfeld?

Vielen Dank! Ich liebe ihn sehr, weil er so eine ehrliche Haut ist. Für seine Rolle wollte ich jemanden, der Powtanka neu entdeckt und dabei in so manches Fettnäpfchen tritt. Ein bisschen Sam Worthington (Avatar) gemischt mit Jared Keeso (Letterkenny). Ein ruhiger Typ, der zuschlagen kann, wenn’s drauf ankommt, und dem man abkauft, dass er für die Frau seines Lebens sogar in ein anderes Land zieht.

Das komplette Geistkrieger Team ist eine interessante Mischung aus verschiedenen Persönlichkeiten. Wie wurden die Charaktere entwickelt?

Meine Figuren entwickeln sich genau wie die Handlung beim Schreiben. Ich lerne sie Wort für Wort kennen und ich liebe den Moment, wenn sie dann klar und deutlich vor mir stehen. Das ist keine Arbeitsweise, die ich Schreibanfängern empfehlen würde, für mich funktioniert sie perfekt. Bei Tate war schnell klar, dass er zu Scherzen aufgelegt ist und eine angenehme Ruhe in die Gruppe bringt. Chenoa steht so unter Druck, dass sie viel zu schnell mit Vorurteilen um sich schießt. Und Deidra möchte man gern mal zum Bier einladen, damit sie etwas runterkommt. Als Team haben sie einen festen Platz in meinem Herzen.

Wie geht es weiter in Powtanka und könne wir einen weiteren Teil erwarten?

Mit dem zweiten Teil ist die Geschichte soweit abgeschlossen, aber ich habe noch sehr viel vor mit den Geistkriegern. Ein paar epische Ideen warten darauf, für mächtig viel Wirbel zu sorgen.

Du bringst auch einige Bücher in eigene Regie raus, unter anderem FIG, und ich muss fragen, wie geht es weiter mit Fey, kannst Du uns jetzt schon was verraten? Und wie ist es Bücher in eigenem Verlag zu verkaufen?

Ich freu mich, dass du FIG ansprichst. Wenn man sich anschaut, was ich so schreibe, dann findet man Horror, Liebesromane, Thriller, Phantastik und seit Neuestem auch Erotik – wobei ich FIG eher einen erotischen Liebesroman nennen würde. Die Idee hat mich schon seit Jahren umgetrieben, weil mir immer wieder Titel mit toxischen Klischees oder dem Stockholm-Syndrom begegnet sind. Ständig geht es um Machtgefälle, Anhängigkeiten, BDSM (oft falsch dargestellt) und Sex als Machtinstrument. Mit FIG wollte ich dem Erotikromansektor eine Geschichte hinzufügen, die davon abweicht. Ich wollte sinnliche Erotik im Mittelpunkt stehen haben. Es geht um die Entdeckung von sich selbst, der Liebe und vor allem der Freiheit. Pansexualität und Polyamorie spielen ebenso zentrale Rollen. Es bedeutet mir sehr viel, dass Fey, Yanis und Pierre die Herzen der Leserschaft erobert haben. Jetzt gerade sitze ich am zweiten Teil, in dem es nach Paris geht. Es wird wieder viele schöne Bilder und besondere Settings geben. Ich verrate sicher nicht zu viel, wenn ich sage, dass Eifersucht und Streit keine Themen sein werden, weil ich es bei Fortsetzungen immer fürchterlich finde, wenn das schöne Ende vom ersten Teil im zweiten zum Drama wird.

Es macht Spaß, nebenbei Titel im Selfpublishing zu veröffentlichen, weil man alles selbst in der Hand hat und tagesaktuell sehen kann, wie es läuft. Aber davon abgesehen, dass man ebenso allein das finanzielle Risiko trägt (das, wenn man es professionell angeht, nicht ganz unerheblich ist), wäre reines Selfbublishing nichts für mich. Ich liebe die Zusammenarbeit mit Verlagen. Schreiben ist schon ein einsamer Prozess, da tut es gut, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die etwas von ihrem Job verstehen und ebenso an die Titel glauben.

Danke für das Gespräch. Bevor wir uns verabschieden, wie würdest du mit einem Satz die Leser dazu bewegen, „Geistkrieger“ zu lesen?

Jemand schrieb in einer Rezension, man könne den Roman nicht so beschreiben, wie man ihn beim Lesen erlebt, man muss einfach eintauchen, miträtseln und sich mitreißen lassen – ich lade euch zu dieser Reise ein und freu mich sehr auf euer Feedback.

Vielen Dank!