Während der dritte Tag des A Summer’s Tale anbricht, schauen einige Festivalbesucher skeptisch zum Himmel: dicke graue Wolken unterbrechen den blauen Himmel über Norddeutschland, ein frischer Wind weht über das Gelände in Luhmühlen. Wir bleiben optimistisch.


Wir starten heute mit the one and only Heinz Strunk, der nach der Premiere 2015 mit neuem Buch im Gepäck zurückkehrt. „Jürgen“ heißt es, und weil Heinz Strunk eben kein normaler Autor ist, schlüpft er nach kurzer Einführung selbst in seine Rolle Jürgen. Vielstimmig liest er Passagen des Romans vor, es ist in Strunk-Manier lustig bis fragwürdig, schöner könnte ein Freitag nicht beginnen.


Das Gelände strotzt nur so vor Aktivitätsangeboten. Auf der Sommerwiese finden regelmäßig Yoga-Kurse für Groß und Klein statt, nur unweit davon entfernt kann man über den Designmarkt schlendern und Schmuck sowie andere handwerkliche Andenken regionaler Künstler erwerben. Große Augen bekommen viele im Festival Atelier, wo Posterkrauts handgefertigte Konzertposter-Siebdrucke an den Mann (und die Frau) bringen.


Als „sanfte Begleitung in den Nachmittag“ betitelt Konstantin Gropper sich und seine Band Get Well Soon, die um 16 Uhr die große KonzertBühne eröffnen. Auch sie sind Wiederkehrer, entschuldigen sich für den chaotischen Auftritt vor zwei Jahren, spielen als Entschädigung ein traumhaft schönes Konzert. Zwischendrin bricht die Wolkendecke auf, es ist einfach herrlich.


Ihnen folgt Folk-Sänger Conor Oberst, viele sitzen entspannt auf der Wiese oder stärken sich währenddessen mit einer Spezialität des kulinarischen Angebotes. Das A Summer’s Tale ist tiefenentspannt. Hier geht jeder das Festival in seinem ganz eigenen Tempo an, man faulenzt so vor sich hin, genießt die musikalische Untermalung, Drängeln und Schubsen: Fehlanzeige.


Ein großes Highlight ist für viele der Gäste heute das Konzert des britischen Superstars Birdy. Die gerade einmal 21-Jährige, die vor ein paar Jahren mit ihrem Bon Iver-Cover alle Aufmerksamkeit auf sich zog und die Spitzen der Charts eroberte, stattet Luhmühlen einen Besuch ab. In ihrem bodenlangen weißen Kleid, dass in der untergehenden Abendsonne wunderschön glitzert, sitzt die Sängerin die meiste Zeit des Konzertes hinter ihrem Flügel und verpasst uns mit ihrer besonderen Stimme Gänsehaut. Die Leute lauschen ihr gespannt, belohnen sie nach jedem Lied mit tosendem Applaus und genießen den besonderen Moment.


Im Anschluss ist der Ansturm auf den ZeltRaum enorm: The Notwist sind Publikumsmagnet. Das Zelt platzt schon beim ersten Song aus allen Nähten, jeder will die Indietronic-Legenden miterleben. Menschen jedes Alters tanzen ausgelassen, nach einem eher melancholischen Tag ist der Abend vielversprechend tanzlastig. Die beeindruckende Lichtshow paart sich mit starken Beats, dazu gesellt sich die sanfte Stimme von Markus Acher.


Wie schon gestern, ist auch der heutige Headliner eine Exklusivität. Die Indie-Rock-Pionere Franz Ferdinand, die eine ganze Generation geprägt und durch ihre Jugend begleitet hat, spielen ihre einzige Deutschlandshow hier. Es ist ein Hit-Feuerwerk, wie es im Buche steht. Irgendwo zwischen „No You Girls“, „Do You Want To“, „Take Me Out“ und „Ulysses“ reißen die Schotten Luhmühlen aus ihrer Entspannung und setzen sie unter Strom, hier tanzt jetzt wirklich jeder, man klatscht um die Wette, Sänger Alex Kapranos heizt die Meute immer weiter an. In Ekstase vergehen die 90 Minuten wie im Fluge. Da stören auch die 15 Grad Außentemperatur nicht weiter, tanzen, springen und singen wärmt die Festivalbesucher ausreichend. Was ein wahnsinnig schöner Abschluss für den dritten Tag!

 
 


Anna Fliege 
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