Der vierte und letzte Tag des A Summer’s Tale ruft. Um die Mittagszeit ist das Festivalgelände in Luhmühlen bereits gut gefüllt. Während viele noch von der atemberaubenden und sternenklaren Nacht träumen, haben wir uns vorsorglich etwas wärmer angezogen.

Der ZeltRaum ist, vielleicht auch etwas wettergeschuldet, bis zum Rand gefüllt, als um 13 Uhr der 90-Minütige Poetry Slam beginnt. Sitzend lauschen die Gäste den Slam Poeten und ihren Texten aufmerksam, lachen und klatschen eifrig.

Als Rocko Schamoni gemeinsam mit seiner Ein-Mann-Band Tex Matthias Strzoda die kleine Waldbühne betritt, nieselt es leicht. Doch für Schamoni kehrt sogar die Sonne zurück. Die eigentlich angesetzte Lesung wird durch ein kleines Konzert ersetzt. Gespickt mit kleinen Anekdoten und Schamonis umwerfenden Charme, der so ungezwungen daherkommt, lachen die Menschen reihenweise Tränen. Man möchte ihn gar nicht wieder gehen lassen, so angenehm ist dieser Auftritt.

Während Rocko Schamoni noch Witze reißt, beginnt der niederländische Singer-Songwriter Blaudzun im ZeltRaum bereits das restliche musikalische Programm. Ihm folgen Rhonda und der Electric Swing Circus mit seinen glitzernden Bandmitgliedern, die während ihrer musikalischen Performance auch noch wunderschön tanzen können. Mit ihrer Neuauflage altbekannter Songs begeistern sie das Publikum, lassen sie das Tanzbein schwingen.

Dann passiert das, was zu einem richtigen Festival wohl oder übel dazu gehört: Es fängt an zu regnen. Aber nicht nur ein paar Tropfen, nein, es gießt aus Eimern. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass die Band Bear’s Den in wenigen Sekunden auf die große Konzertbühne soll. Die meisten Besucher suchen unter kleinen Dächern Schutz vor der Nässe, einige strotzen dem Wetter in ihrer Regenjacke hingegen und stehen bereit vor der Bühne. Als die Engländer auftreten und die ersten Klänge von „Red Earth & Pouring Rain“ (wie passend) spielen, strömen immer mehr Leute im strömenden Regen ins Freie, um das Konzert in seiner ganzen Schönheit zu erleben. Nach nur wenigen Songs der Folkrock-Band bricht der Himmel auf, lässt den Regen verschwinden und die Sonne wieder, wenn auch zaghaft, scheinen. Wir tanzen in den Pfützen und das Konzert gehört in Windeseile zu einem der ganz großen Highlights dieser letzten Tage.

Kaum ist das Konzert zu Ende, tut der Himmel so, als wäre nie etwas gewesen. Während die Menschen zu Judith Holofernes, bekannt als Frontfrau der Band „Wir Sind Helden“. In grüner Glitzerjacke und bunter Gitarre unterhält sie mit ihren Solo-Songs jung und alt im ZeltRaum.

Selbst der Regenschauer schadet der Schönheit des Geländes nicht. Bei einem Spaziergang über eben dieses entdecken wir auch noch am vierten Tag neue Dinge. Ganz besonders und definitiv erwähnenswert sind hier: Toiletten. Ja, richtig gelesen. Beim A Summer’s Tale wird auf unangenehme Dixi-Klos verzichtet, stattdessen sorgen GOLDEIMER für einen angenehmen Aufenthalt. Das Konzept der Organisation, die aus den Reihen Viva Con Aquas kommt, ist simpel wie genial: es wird mit Hamsterstreu gespült. Schwierig in Worte zu fassen, aber das Erlebnis sollte jeder einmal mitgemacht haben.

Es wird Zeit für lebende Legenden in Luhmühlen: niemand geringes als Sven Regener und seine Band Element Of Crime haben die Ehre, im schönsten Sonnenuntergang dieses Festivals zu spielen. Regeners norddeutsche Art ist so erheiternd, die Songs herzberührend. Als der Himmel in allen Rot- und Orange-Tönen, die man sich so vorstellen kann, leuchtet, spielen sie „Am Ende denk ich immer nur an dich“ und „Delmenhorst“, es ist viel zu schön, um wahr zu sein!

Bevor das Festival endgültig zu Ende ist, wird den Leuten noch ein letztes Mal die Chance geboten, so richtig auszuflippen. Stereo MC’s füllen als Abschluss den ZeltRaum bis unter die Decke, jetzt tanzen wirklich alle, die wildesten Tanzmoves werden ausgepackt.

Eigentlich heißt es ja „Ladies First“, aber heute, ausnahmsweise, nicht. Denn Leslie Feist darf das wirklich allerletzte Konzert des A Summer’s Tale Festival 2017 geben. Die kanadische Indie-Sängerin tritt mit Akustikgitarre und bodenlangem Kleid auf, die Lichtshow ist beeindruckend, ihre Stimme fragil und wunderschön. Sie präsentiert in den verbleibenden 90 Minuten des Wochenendes vorallem Songs ihres in diesem Jahr erschienenen Albums „Pleasure“, ein paar alte Hits, darunter „1234“, dürfen aber nicht fehlen. Und ja, Feist „is a pleasure“! So wie auch das A Summer’s Tale, dass nun Geschichte ist und sich tief in unsere Herzen gesetzt hat. Wir kommen wieder, keine Frage!

 

 
 


Anna Fliege 
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